Aromen in der Pflege

Verfasst von Elisabeth Felde. Veröffentlicht am 02.11.2020.

Das riecht aber gut!

Das solltest du über Aromatherapie und Aromapflege wissen

In unserem Alltag begegnen uns zahlreiche Gerüche: Beim Essenkochen, Duschen, Sport machen usw. Einige Gerüche sind alltäglich und werden nicht hinterfragt, andere nehmen wird seltener wahr, dafür aber umso intensiver. Bei einem Besuch in der Parfümerie bemerkt man beim Testen der Düfte, dass einige belebend wirken und andere einen sinnlich, beruhigenden Einfluss auf den Menschen haben. Die klassische Aromatherapie existiert bereits sehr lange und wird heute hauptsächlich in der Wellnessbranche eingesetzt. Mittlerweile gibt es aber auch Therapien z.B. bei psychischen Erkrankungen, die sich mit Duftstoffen beschäftigen. In Kranken- und Pflegeeinrichtungen kommt außerdem die Aromapflege immer häufiger zum Tragen. Wie können Duftstoffe dabei gezielt eingesetzt werden und welche Wirkungen können dadurch erzielt werden?
 

Vielfältiger, individueller Einsatz und Wirkung

Die Aromatherapie existiert bereits seit mehreren Jahrzehnten. Dabei werden ätherische Öle professionell eingesetzt, um individuelle Ziele zu erreichen. Die Aromapflege kann in klinisch pflegerischen Einrichtungen, ambulanten Pflegediensten, aber auch gezielt zu Hause angewendet werden. Das allgemeine Ziel ist die Steigerung des Wohlbefindens und der Lebensqualität der Patienten und die daraus resultierenden positiven Eigenschaften (Harmonisierung von Befindlichkeitsstörungen, Schlafstörungen, Ängste, Unruhezuständen) durch den Einsatz authentischer, möglichst naturbelassener ätherischer Öle. Die Aromapflege kann somit zur Behandlung verschiedenster Symptome, Störungen und Erkrankungen eingesetzt werden. Im besten Falle kann der Einsatz ätherischer Öle den Medikamenteneinsatz ersetzen oder verringern.
 

Die Substanzen wirken körperlich über den Geruchsinn und Haut-/Schleimhäute aufs vegetative und zentrale Nervensystem.


Was sind ätherische Öle?

Ätherische Öle sind hochkonzentrierte gemische lipophile, also fettliebende, flüchtige Verbindungen, die von Pflanzen gebildet werden. Sie werden mittels Wasserdampfdestillation aus Pflanzenteilen (z.B. Blüte, Blatt, Zweige, Wurzel…) oder bei Zitrusölen durch Pressung gewonnen.
 


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Integration in den Pflegealltag

Wie können ätherische Öle nun gezielt in den Pflegealltag integriert werden und gibt es überhaupt Zeit, diese Art von Pflege in den ohnehin schon stressigen und zeitmangelnden Pflegealltag zu integrieren? Folgende Punkte können den Einsatz von Aromen in der Pflege zeitlich und organisatorisch vereinfachen:

  • Man sollte sich auf maximal zehn Duftnoten beschränken, um den Überblick nicht zu verlieren. Außerdem wird dadurch vermieden, dass viele Fläschchen geöffnet und vergessen werden und anschließend verfallen oder an Duftintensität verlieren. Vorab ist zu überlegen, welche Wirkungen bei den Patienten erzielt werden sollen. Dementsprechend können die Duftstoffe darauf abgestimmt werden. 
  • Die ätherischen Öle, die dann ausgewählt werden, sollten geeignete Inhaltsstoffe haben. Beispielsweise sollten keine oder nur geringe Monoterpenketone vorhanden sein. Das sind Stoffe, die eine neurotoxische Wirkung haben können und möglicherweise Krampfanfälle verursachen. Vor Gebrauch sollte man sich ausführlich über die Inhaltsstoffe und möglichen Wirkungen auf den Körper informieren. 
  • Mögliche Probleme oder Schwierigkeiten beim Einsatz der ätherischen Öle sollten bedacht und mögliche Lösungen aufgeführt werden.


Planung und Anwendung 

Um die Aromapflege problemlos in den Pflegealltag integrieren zu können, bedarf es einer Einführung für alle Mitarbeiter in das Pflegekonzept mit klaren Verfahrungsanweisungen und Pflegestandards. Die zuständigen Krankenpfleger müssen dementsprechend eine detaillierte praktische und theoretische Anleitung in den Umgang mit ätherischen Ölen und Einsatz in der Patientenpflege bekommen. Diese kann im Rahmen von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen erfolgen. Dabei sollten auch mögliche Ziele, Wirkungen und Dosierung der ätherischen Öle aufgeführt werden. Nur Pfleger, die entsprechend geschult sind und den Einsatz selbst einmal durchgemacht haben, sollten die Aromapflege bei Patienten anwenden. Außerdem bedarf es der Zustimmung des Patienten selbst und der Informationsweitergabe über mögliche (Kontra-)Indikationen der Verwendung der ätherischen Öle.
 


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Praktische Anwendung und Zielsetzung

Vor einer Anwendung sollte bewusst ein Ziel gesetzt werden. Dabei kann man sich folgende Fragen stellen: 

  • Soll ein körperliches oder psychisches Problem gelindert oder geheilt werden?
  • In welchem Zustand befindet sich der Patient psychisch und physisch?
  • Ist der Patient geruchsempfindlich? Wie muss der Duftstoff dosiert werden?
  • Welches Ziel wird konkret verfolgt: Geruchsbeseitigung, Beruhigung, Schlafförderung, Schmerzreduktion, Atemstimulation, Anti-Übelkeit

Wie kann eine Aroma-Behandlung aussehen? Zunächst wird der Raum beduftet. Dies erfolgt maximal drei Mal am Tag für je zwei Stunden. Anschließend werden Auflagen zum Wickeln vorbereitet. Dafür wird das eingesetzte Öl mit dem jeweiligen Duftstoff mit einem Basisöl gemischt. Basisöle sind fette Öle wie z.B. Mandel- oder Olivenöl, die die Haut schützen und pflegen. Danach erfolgt die Waschung, bei der das ätherische Öl mit neutralem Badeöl gemischt wird, damit die ätherischen Öle im Wasser emulgieren können. 

Welcher Duft dabei genau zum Einsatz kommen soll, ist abhängig vom Patienten und seinen Symptomen. Vanille kann schmerzlindernd, Mandarinenduft durchblutungsfördernd, Lavendel beruhigend und Ingwerduft gegen Übelkeit wirken. 

Klein, aber Oho:Es gibt bereits viele Therapiemethoden neben der klassischen Gesprächstherapie. Meistens kommen dabei die Sinne besonders zum Einsatz. Insbesondere können verschiedene Duftstoffe spezielle Wirkungen auf die Psyche des Menschen haben. Somit können ätherische Öle mit der richtigen Planung bewusst in den Pflegealltag integriert werden und ggf. besonders positive Auswirkungen auf den Körper und Geist eines Patienten haben.



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