Eingewöhnung neuer Bewohnerin im Pflege- und Altenheim

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 25.04.2022.

Eingewöhnung im Alten- und Pflegeheim in 4 Schritten

So unterstützt du neue Bewohner:innen beim Einzug

Der Einzug in ein Pflege- oder Altenheim ist für die meisten Menschen kein schöner Schritt. Oft wird die Entscheidung getroffen, weil es keine Alternativen mehr gibt – die Person lebt allein, Angehörige haben nicht mehr die Zeit oder Lust, sich zu kümmern, das Geld reicht nicht aus oder die häusliche Betreuung ist einfach keine Option mehr. Für alte oder pflegebedürftige Menschen bedeutet das meist die Aufgabe von Selbstbestimmung und gerade alte Menschen sehen den Umzug ins Pflegeheim oft als den „letzten Schritt“ an oder verstehen bei einer Demenzerkrankung gar nicht, was ihnen geschieht. Diese negativen Gefühle lassen sich nicht gänzlich vermeiden. Als Pflegekraft kannst du jedoch einiges tun, um den Bewohnern deiner Einrichtung die Eingewöhnung zu erleichtern. Welche Maßnahmen sich eignen, möchten wir dir zeigen. 

1. Binde die Angehörigen mit ein

Nicht immer haben Pflegebedürftige noch Angehörige, die sich um sie kümmern. Ist das jedoch der Fall, dann solltest du diese unbedingt in den Umzugsprozess integrieren. Oftmals suchen Verwandte oder andere Vertraute die Pflegeeinrichtung aus, weil die Patienten es selbst nicht mehr können. Zu einer Besichtigung und einem Erstgespräch sollten sie die pflegebedürftige Person – wenn es ihr Zustand erlaubt – aber auf jeden Fall mitbringen, damit diese einen Eindruck von der Einrichtung bekommen kann. Auch du hast dann die Möglichkeit, den neuen Bewohner oder die neue Bewohnerin schon einmal kennenzulernen. Stelle dich vor, frage die Person nach ihren Interessen, ihrem bisherigen Tagesablauf und bringe in Erfahrung, was ihr besonders wichtig ist. Auch über die Angehörigen selbst kannst du dir schon einmal eine Vorstellung über die neue Bewohnerin oder den neuen Bewohner verschaffen – den Verwandten kannst du auch heiklere Fragen stellen, die du mit der Person selbst nicht besprechen möchtest oder kannst. 

Gerade in der Eingewöhnungsphase solltest du die Angehörigen auf jeden Fall dazu anhalten, öfters zu Besuch zu kommen. Viele alte oder pflegebedürftige Menschen haben beim Umzug das Gefühl nicht mehr erwünscht zu sein oder gebraucht zu werden. Regelmäßige Besuche können diesem Gefühl vorbeugen. Geschieht dies nicht, solltest du der Person besonders viel Aufmerksamkeit widmen.
 

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2. Lass es langsam angehen

Ein Umzug ist immer aufregend – vor allem im hohen Alter, wenn man sich sehr an seine Wohnung gewöhnt  hat und dort schon lange wohnt. Deshalb ist es besonders wichtig, den Umzug ins Pflegeheim nicht überstürzt anzugehen, sondern die Person so gut wie möglich mental darauf vorzubereiten. Am besten sprechen die Angehörigen das Thema schon einige Wochen vor dem Umzug an. 

Vielleicht ist in deiner Einrichtung auch eine Art Probewohnen möglich und die Patienten und Patientinnen können schon einmal ein paar Tage in der Einrichtung verbringen, bevor sie sich entscheiden. Dies kann die Eingewöhnung deutlich vereinfachen, da sie neue Umgebung und Pflegekräfte schon kennengelernt haben. Zudem gibt den Patient:innen die Tatsache, dass sie erst einmal ein paar Tage unverbindlich in der Einrichtung verbringen, ein Gefühl von Kontrolle und Entscheidungsfreiheit. Wird die Entscheidung für den Umzug in die Einrichtung getroffen, sind sie meist glücklicher, weil sie sich bereits mit dem Gedanken an das Pflege- oder Altenheim angefreundet haben. 

Oft ist es leider so, dass der Umzug aufgrund sich schnell verändernder Umstände sehr spontan stattfinden muss. Auch dann kannst du dabei helfen, dass der oder die neue Bewohner:in sich wohlfühlt: Gib ihm bzw. ihr Zeit, sich einzuleben. Zeige der Person die gesamte Einrichtung und stelle ihr auch die anderen Bewohner und Bewohnerinnen sowie das Personal vor – jedoch alles im Tempo des Patienten bzw. der Patientin. Vielleicht hat der neue Gast in den ersten Tagen gar kein Interesse oder keine Energie für neue soziale Kontakte. Das kann zu Überforderung und Verwirrung führen. Versuche also in der Eingewöhnungsphase nichts zu erzwingen. 

Zeige der Person die gesamte Einrichtung und stelle ihr auch die anderen Bewohner und Bewohnerinnen vor.

3. Schaffe Vertrauen

Wenn ein neuer Bewohner in deine Einrichtung einzieht, dann gibt dieser oft einen großen Teil seiner Kontrolle über sein Leben und seine Privatsphäre ab. Es ist deshalb wichtig, dass er eine gute Vertrauensbasis zu dir und zu deinen Kolleginnen und Kollegen hat. Dafür sollte der Bewohner vor allem zu Beginn eine feste Bezugsperson im Pflegeheim haben, an die er sich bei Fragen oder Beschwerden wenden kann. Bist du diese Bezugsperson, solltest du dir für neue Bewohner:innen ein wenig mehr Zeit nehmen, um Vertrauen aufzubauen. Beantworte vom ersten Tag an alle Fragen der Patientin oder des Patienten geduldig und verständnisvoll. Wichtig ist es auch, sie über alle wichtigen Abläufe und die Organisation in der Einrichtung zu informieren. 

Viele Menschen haben eine falsche und sehr negative Vorstellung von Alten- oder Pflegeheimen und fürchten sich, vernachlässigt zu werden. Diesen Ängsten solltest du unbedingt entgegenwirken, indem du viel mit der neuen Bewohnerin oder dem neuen Bewohner sprichst und sie oder ihn aufklärst. Umso mehr die Patienten verstehen und desto mehr sie das Gefühl haben, verstanden zu werden, desto wohler werden sie sich auch fühlen. Verzichte deshalb (nicht nur in der Anfangszeit) auf ein bevormundendes Verhalten und behandle jeden neuen Bewohner so, wie du auch selbst behandelt werden möchtest.

Um das Vertrauen zu stärken, dem Gefühl der Einsamkeit vorzubeugen und Bewohnerinnen und Bewohnern das Gefühl zu geben, wahrgenommen zu werden, solltest du außerdem regelmäßig Fragen stellen und auch deren Beantwortung ernst nehmen und darauf eingehen. Diese Fragen können zum Beispiel sein:

  • Geht es Ihnen gut?
  • Fühlen Sie sich wohl?
  • Vermissen Sie etwas / Kann ich etwas für Sie tun?
  • Haben Sie sich schon gut eingelebt? Fühlen Sie sich hier schon wie zu Hause?
  • Wie gefällt Ihnen Ihr Zimmer? Möchten Sie etwas an der Einrichtung ändern?
  • Haben Sie schon andere Bewohner kennengelernt?
  • Finden Sie sich gut zurecht?
     
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4. Schaffe ein neues Zuhause

Anders als zum Beispiel in einem Krankenhaus, wo ein Patient nur für eine kurze Dauer bleibt, soll ein Pflege- oder Altenheim für seine Bewohnerinnen und Bewohner ein langfristiges Zuhause werden. Deshalb ist es wichtig, dass die Person bei der Einrichtung mitreden und eigene, persönliche Gegenstände mitbringen kann. Frage auch die Angehörigen, an welchen Dingen der/die neue Bewohner/in besonders hängt und bitte sie, diese mitzubringen. Gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten kannst du dann ihr/sein Zimmer oder Bett dekorieren, damit sie/er sich wohlfühlt. Auch wenn sie/er keine persönlichen Gegenstände mitbringt, kannst du mit ein paar Bildern oder einer Tischdecke für eine schönere Atmosphäre sorgen. Denke dabei nicht zu modisch: Ältere und gerade Demenzkranke fühlen sich wohler, wenn sie von Gegenständen umgeben sind, die sie an ihre Jugend erinnern. 

Damit sich die neue Bewohnerin oder der neue Bewohner wohlfühlt, solltest du sie/ihn als Bezugspflegekraft bei der Orientierung unterstützen. Begleite sie/ihn wenn nötig zum Beispiel vom Speisesaal zurück auf ihr Zimmer. Du kannst die Orientierung vereinfachen, indem du große, gut sichtbare Schilder in den Allgemeinbereichen aufhängst oder die Zimmer mit persönlichen Gegenständen oder Fotos markierst. 

Nicht zuletzt kannst du einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass der Neuzugang Kontakt zu anderen Bewohnerinnen und Bewohnern knüpft. Stelle sie einander vor, verwickle sie in ein Gespräch und sorge so dafür, dass die neue Person gleich Anschluss findet – allerdings nur, wenn diese das auch möchte und sich dabei wohlfühlt. 

Die Eingewöhnung in ein Alten- oder Pflegeheim ist nie einfach – weder für die neuen Bewohner noch für die Pflegekräfte. Trotzdem solltest du alles tun, um Neuzugänge zu unterstützen und ihnen ein gutes Gefühl zu geben. Gerade die ersten Tage und Wochen sind oftmals von Unsicherheit und Misstrauen geprägt. Versuche, diese möglichst schnell abzubauen, um langfristig ein gutes Verhältnis aufzubauen. Am wichtigsten ist bei der Eingewöhnung der Faktor Zeit: Überstürze nichts, gebe den neuen Bewohnerinnen und Bewohnern die Freiheiten, die sie in der neuen Situation benötigen und helfe ihnen damit dabei, sich leichter einzuleben.