Eine Pflegekraft sitzt auf einem Bett und sieht nach außen

Verfasst von Sarah Derkaoui. 

Forensische Pflege: Passt die Arbeit in der Forensik zu dir?

Und: Wie gefährlich ist die Arbeit wirklich?

Arbeitest du als Pflegekraft in der Forensik, kümmerst du dich um psychisch kranke oder suchtkranke Menschen, die eine Straftat begangen haben. Allein aus diesem Grund ist die forensische Pflege ein anspruchsvolles Berufsfeld. Trotzdem ist sie bei vielen Pflegenden beliebt: Verlässliche Dienstpläne, gute Bezahlung sowie viel Personal haben der forensisch-psychiatrischen Pflege einen guten Ruf verschafft. Wir haben für dich zusammengefasst, was du wissen solltest, bevor du dich für die Arbeit in der forensischen Psychiatrie entscheidest.

Was ist Forensik in der Pflege eigentlich?

Forensik in der Pflege meint die Arbeit in der Forensischen Psychiatrie. Letztere ist wiederum ein Teilbereich der Psychiatrie, der sich mit der Therapie bestimmter Straftäter befasst: Die Patienten sind psychisch kranke Rechtsbrecher oder Menschen, die unter Drogeneinfluss straffällig geworden sind. 

Der juristische Begriff für diese Form der psychiatrischen Pflege lautet Maßregelvollzug. In § 63 StGB legt der Gesetzgeber fest: “Hat jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit (§ 20) oder der verminderten Schuldfähigkeit (§ 21) begangen, so ordnet das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, daß [...] er [...] für die Allgemeinheit gefährlich ist.”

Forensik: Pflege mit Knastcharakter?!

Tatsache ist: Als Pflegekraft in der Forensik arbeitest du in einem Krankenhaus, nicht in einem Gefängnis. Dennoch sind Sicherungsmaßnahmen nötig: Es gibt Sicherheitspersonal, in jeder Schicht muss ein Mann anwesend sein (!) und bei schwerstkranken Patienten bzw. im Hochsicherheitsbereich kommen schon mal Handschellen zum Einsatz.

Zugegeben, das klingt heftig. Allerdings kannst du dich auch für die Arbeit in offenen und halboffenen Stationen entscheiden. Dort sind Patienten untergebracht, die in ihrer Therapie schon weiter fortgeschritten sind. 

Welche Aufgaben hat eine Pflegekraft in der Forensik?

Als Pflegekraft in der Forensik zielt deine tägliche Arbeit darauf ab, den gesetzlichen Auftrag zur Besserung und Sicherung der Patienten zu erfüllen. Das Ziel ist, die Betroffenen wieder für das Leben in der Gesellschaft fit zu machen, ohne dass diese für sich oder andere eine Gefahr darstellen.

Das gehört zu deinen Aufgaben:

  • Professionelle Betreuung. Die forensische Pflege setzt an den Ursachen für die begangene Straftat an. Im Fokus steht also die Therapie der zugrundeliegenden Suchterkrankung oder psychiatrischen Störung. Damit Patienten sich darauf einlassen, liegt es an dir, ein angenehmes Behandlungsklima zu schaffen.
  • Beziehungsaufbau. In der forensisch-psychiatrischen Pflege begleitest du Patienten über Jahre und teilweise Jahrzehnte auf ihrem Weg. In der Praxis ist das ein schwieriger Spagat zwischen der nötigen professionellen Distanz und dem Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zum Patienten. 
  • Pflegerische Maßnahmen. Durch den hohen Personalschlüssel hast du Zeit für intensive Bezugspflege mit den üblichen Aufgaben wie Medikationsgabe und Pflegedokumentation.

Worauf es sonst noch ankommt:

  • Intuition, Empathie und Deeskalation. Als Pflegekraft in der Forensik kannst du in Situationen kommen, die du professionell entschärfen musst. Hier ist es wichtig, dass du mögliche Gefährdungen erkennst und zuverlässig verhindern kannst.
  • Stationsalltag sinnvoll gestalten. Gemeinsame Mahlzeiten, eine klare Tagesstruktur und das (Er-)leben sozial anerkannter Normen sind essentielle Bausteine für eine erfolgreiche Krankheitsbehandlung. Gleichzeitig bereitest du die Patienten so auf die eigenständige Bewältigung ihres Alltags vor.
Du suchst einen Job in der Forensischen Pflege?

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Was ist ein Forensik Patient – oder: Um wen kümmerst du dich? 

Wenn du dich für die Pflege in der Forensik interessierst, möchtest du sicher wissen, welche Menschen dich dort erwarten. Hier sind die wichtigsten Fakten, die du zu forensischen Patienten kennen solltest.

  • Im Maßregelvollzug liegt der Frauenanteil bei nur etwa 5 bis 10 Prozent.
  • Viele Patienten haben kognitive Defizite, eine geringe Sozialkompetenz und wenig Interesse an ihrer Behandlung.
  • Bei etwa zwei Drittel der Patienten wird die Diagnose Persönlichkeitsstörung gestellt.
  • Funktionelle Psychosen sind mit fast 50 % die meistgestellte Diagnose für Patienten im Maßregelvollzug.
  • Bei 60 % der Patienten kam es bereits vor der Einweisung zu wesentlichen Taten.

Du siehst, die forensische Pflege ist eine Herausforderung auf vielen Ebenen – und deshalb  kein Job für jede:n. Doch auch hier darfst du dich auf Erfolgserlebnisse freuen. Zum Beispiel, wenn es einer ‘deiner’ Patienten schafft, nach der Therapie wieder ins Leben zurückzufinden und auf eigenen Beinen zu stehen. 

4 Gründe, warum es sich lohnt, in der Forensik zu arbeiten!

  • Entlastung durch hohen Personalschlüssel: Die forensische Psychiatrie ist finanziell nicht an das Kassensystem gekoppelt, sondern wird staatlich finanziert. Personalmangel gibt es quasi nicht. Plus: Anders als in der Somatik ist allein aus Sicherheitsgründen eine hohe Personalpräsenz bzw. eine Mindestbesetzung nötig.
  • Bezugspflege ist Standard: Als Pflegekraft in der Forensik baust du eine Beziehung zu deinen Patienten auf, erarbeitest im Team individuelle Behandlungspläne und darfst deinen Patienten irgendwann auch beim Ausgang begleiten. So erlebst du die Therapieerfolge unmittelbar als Früchte der gemeinsamen Arbeit mit den Patienten.
  • Gute Bezahlung: Durch die Bereitschafts- und Gefahrenzulage in Verbindung mit dem Schichtdienst kommst du in der forensischen Pflege auf ein ziemlich gutes Gehalt. Außerdem wirst du nach Tarif bezahlt. Weiter unten haben wir dazu ein paar Zahlen für dich.
  • Verlässliche Dienstpläne: Das Holen aus dem Frei und Berge von Überstunden sind in der forensischen Psychiatrie sehr unwahrscheinlich. Weil du in der Regel Mitsprache bei der Dienstplangestaltung hast, kannst du deine Freizeit zuverlässig planen. 

Soweit die Vorteile der Arbeit in der forensischen Pflege. Um eine begründete Entscheidung für deinen Berufsweg zu treffen, solltest du allerdings auch mögliche Nachteile kennen. Wir verraten dir, welche das sind.

Wie gefährlich ist die Arbeit in der Forensik?

Kurz gesagt – weniger gefährlich, als oft vermutet wird. Wer sich schon mit Pflegenden unterhalten hat, die in der forensischen Psychiatrie arbeiten, weiß: Zu Übergriffen kommt es äußerst selten. Zum Schutz der Mitarbeiter:innen gibt es in der Forensisch-psychiatrischen Pflege (je nach Bereich) viele Sicherheitsvorkehrungen:

  • verschlossene Türen zwischen den verschiedenen Bereichen und nach außen
  • vergitterte Fenster
  • Bewegungsmelder
  • ein Notrufgerät, mit dem Mitarbeiter:innen Hilfe anfordern können

Auch im Alltag auf der Station sorgen verschiedene Regelungen und Kontrollen für Sicherheit. 

  • Regelmäßige, unangekündigte Alkohol- und Drogenscreenings
  • Kontrollen von Zimmern und Schränken
  • Öffnen von Paketen und Einkäufen der Patienten

Pflegekräfte in der Forensik werden außerdem speziell geschult und auf die Arbeit im Maßregelvollzug vorbereitet. Im Vordergrund stehen Deeskalationsmanagement, aber auch hilfreiche Abwehrtechniken für den Fall, dass es brenzlig wird. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist auf der Aufnahmestation etwas höher. Denn diese ist für die Patienten die erste Station nach Begehen der Straftat. Nach einem halben Jahr (oder später) geht es auf eine weiterführende Station. Bis dahin sind die meisten Patienten weniger aggressiv – und bereit für die Therapie.

Die Voraussetzungen: Wie werde ich Mitarbeiter:in in einer forensischen Psychiatrie?

Möchtest du als Pflegekraft in der Forensik arbeiten, reicht in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung zum/zur Gesundheits- und Krankenpfleger:in aus. Eine zusätzliche Fachfortbildung wie etwa die Fortbildung Pflege Forensische Psychiatrie wird von den meisten Einrichtungen nicht verlangt. 

Besonders toll: Die Arbeit in der forensischen Psychiatrie bietet dir viele Aufstiegsmöglichkeiten. Viele Arbeitgeber unterstützen motivierte Pflegende dabei, berufsbegleitend eine Fachweiterbildung im Bereich forensisch-psychiatrische Pflege oder einen pflegerischen Studiengang zu absolvieren. Auch, wenn du dich im Managementbereich (z.B. Stationsleitung) weiterentwickeln möchtest, ist die forensische Pflege ein guter Startpunkt, um Karriere zu machen.

Wie hoch ist das Gehalt einer Pflegekraft in der Forensik?

Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit gibt für Fachkrankenpfleger:in im Bereich der Psychiatrie ein durchschnittliches Monatsbruttogehalt von 4.255 Euro an. Das höchste Bruttoentgelt verdienen Pflegende in Baden-Württemberg – es liegt bei 4.756 Euro pro Monat. Ganz hinten liegt das Bundesland Brandenburg. Hier beträgt der Monatsbruttolohn 3.654 Euro.

Fachkrankenpfleger:in im Bereich der Psychiatrie

durchschnittliches Bruttogehalt

Das Gehalt liegt bei

4.255 € pro Monat

Fazit: Die forensische Pflege ist eine besondere Aufgabe!

Was machen wir als Gesellschaft mit Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung Straftaten begehen? Können wir ihnen mit Wertschätzung begegnen, eine vertrauensvolle Beziehung zu ihnen aufbauen und ihnen schließlich sogar eine zweite Chance geben? Wie du diese Fragen für dich beantwortest, ist vielleicht ein guter Wegweiser dafür, ob die herausfordernde Arbeit in der forensischen Psychiatrie das Richtige für dich ist.