Eine Frau mit Brille und Blazer lacht in die Kamera

Verfasst von Darja Maibach. Veröffentlicht am 08.02.2021.

Führungspositionen in Pflegeberufen

Wie schaffen es Frauen in die Führungsetage?

In Deutschland besetzen meist Männer Führungspositionen in Unternehmen, auch im Bereich der Pflege und Gesundheit. Und das obwohl das Personal größtenteils aus Frauen besteht. Woran liegt das und wie kann der Weg zur weiblichen Führungsrolle erleichtert werden?

Pflege- und Gesundheitsberufe werden von Frauen dominiert, hier liegt der Anteil weiblicher Beschäftigter bei etwa 80-90%. Vergleichsweise sind es im produzierenden Gewerbe nur 14 Prozent. Und dennoch sind es in 47-55% der Fälle Männer, die die Führungspositionen in der Pflege einnehmen.

Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies zwar ein überraschend hoher Frauenanteil. Denn insgesamt liegt Deutschland mit knapp 28% weiblicher Führungskräfte unter dem Durchschnitt der EU von 31,4%. Dennoch haben sogar in weiblich dominierten Bereichen meist Männer Führungsrollen. In Alten- und Pflegeheimen sind laut einer Studie 61,2% der Führungspositionen mit Männern besetzt, in der Tagespflege sind es 60, 7%. Nur in der ambulanten Pflege liegt der männliche Führungsanteil „nur“ bei 47,7%.

Laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund liegt der geringe Anteil an weiblichen Führungspersonen an der hohen Teilzeitquote. Denn 48% der weiblichen Altenpflegekräfte, etwa 50% der Frauen, die in Arztpraxen arbeiten und 73% der Frauen in der ambulanten Pflege sind in Teilzeit beschäftigt. Aufgrund der verringerten Arbeitszeit werden entsprechend auch weniger Weiterbildungen gemacht, was den Aufstieg in eine Führungsposition erschwert. Führungsaufgaben in Teilzeit sind daher noch selten. Dies könnte geändert werden, wenn es möglich wäre, eine Führungsposition auch in Teilzeit zu besetzen und daher auf die Bedürfnisse der Frauen in der Pflege einzugehen. Doch was kann Frau konkret tun, um in die Führung aufzusteigen?

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Das Selbstbewusstsein stärken

Ein wichtiger Punkt ist das Selbstbewusstsein, wenn es um die Bewerbung für eine Führungsposition geht. Während Männer sich schon auf Stellen bewerben, für die sie 60% der Anforderungen erfüllen, steht Frauen oft ihr Perfektionismus im Weg. Sie sind selbst bei erfüllten 90% nicht von ihrer Qualifikation überzeugt.

Daher sollten zunächst negative Glaubenssätze aufgelöst werden, welche meist aus der Kindheit stammen. Wenn etwa der positive Zuspruch der Eltern fehlte oder die eigene Leistung nicht geschätzt wurde, steigt das Bedürfnis nach Anerkennung von außen. Um selbstbewusster zu werden, muss man sich davon befreien. Statt negativer Glaubenssätze wie „ich bin nicht gut genug (für diese Position)“, sollten positive Glaubenssätze gefunden werden.
Negative Gedanken und Selbstzweifel sind tägliche Begleiter vieler Menschen und bremsen und blockieren. Daher sollte Negatives bewusst in Positives umgewandelt und die neuen Sätze täglich laut ausgesprochen werden. Durchschnittlich dauert es zwei Monate, bis sich diese eingeprägt haben und in das unbewusste Denken übergehen. Ein positives Beispiel wäre „ich bin gut genug und erreiche die Position, die ich möchte mit Leichtigkeit“. 

Auch auf das soziale Umfeld sollte genau beachtet werden. Menschen mit negativen Gedanken sind meist hinderlich für das Erreichen von Zielen. Stattdessen sollte man sich mit denjenigen Personen umgeben, die positiv gestimmt sind, die an Erfolge glauben und motivieren, Kraft verleihen und ein gutes Gefühl vermitteln. 
Reaktionen Anderer sollten nicht persönlich genommen werden, wenn man das Selbstbewusstsein aufbauen möchte. Es sollte versucht werden Kritik sachlich nachzuvollziehen und als Möglichkeit zur persönlichen Verbesserung und Reifung zu betrachten. Ist diese jedoch unberechtigt, kann auf Erinnerungen zu anderen positiven Rückmeldungen zurückgegriffen werden, um sich nicht entmutigen zu lassen.

Es ist in Ordnung introvertiert zu sein, jedoch braucht es für eine Führungsrolle bestimmte soziale Fähigkeiten, wie etwa das Sprechen vor anderen Menschen oder das ungezwungene Unterhalten mit Menschen. Dies kann bewusst geübt werden, indem man täglich mindestens zwei Gespräche aktiv beginnt. Bei Fortbildungen kann man sich in eine der vorderen Reihen setzen und sich vornehmen mindestens dreimal etwas beizutragen.

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Unterstützung auf allen Ebenen

Neben einem gesunden Selbstbewusstsein darf dennoch die fachliche Qualifikation nicht fehlen. Unabhängig davon, ob jemand in Voll- oder Teilzeit arbeitet, sollten Möglichkeiten zu Fort- und Weiterbildungen gegeben und unterstützt werden. Bietet der Arbeitgeber hier kaum oder nur wenige Informationen, sprich direkt mit der  Pflegedienstleitung (PDL), WBL oder der Klinikleitung – es ist schließlich auch in ihrem Interesse!

Nicht nur dein Arbeitgeber sollte hier unterstützen, auch auf das private Umfeld kommt es an. Wer sich für eine leitende Position qualifizieren und empfehlen will, der wird nicht umhin kommen, auch einen teil der ohnehin schon raren Freizeit zu opfern. Warten dann allerdings zuhause noch Familie, Hund und Haushalt, die ausschließlich von einer Person – nämlich dir! – versorgt und erledigt werden wollen, sind schlaflose Nächte vorprogrammiert. Auch hier ist Unterstützung durch deinen Partner oder Freunde gefragt. 

Dennoch: Es gibt eine Vielzahl qualifizierter Pflegerinnen, die fachlich und sozial sehr gut für eine Führungsposition geeignet sind und sich dennoch ohne Erfolg auf die entsprechenden Positionen in der Leitung bewerben. Strukturelle Benachteiligung gibt es auch in Bereichen, die von Frauen dominiert werden. Umso wichtiger ist es, für sich selbst und seine Qualifikationen, das eigene Wissen und Ambition, einzustehen. Was soll schon schiefgehen?

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