Eine Pflegekraft hält ein Stethoskop an ein Sparschwein

Verfasst von Sarah Derkaoui. Veröffentlicht am 18.04.2022.

Gehaltsverhandlung in der Pflege: 6 Tipps, die du kennen solltest!

So holst du das Beste aus deiner Gehaltsverhandlung heraus

Ist eine Gehaltsverhandlung in der Pflege trotz Tarifbindung möglich? Und welche Chancen bieten sich, wenn deine Einrichtung mit einem Haustarif kalkuliert? Darum (und um ein paar wertvolle Tipps für mehr Gehalt) soll es in diesem Artikel gehen. Eines nehmen wir allerdings bereits hier vorweg: Der Fachkräftemangel sorgt für eine starke Verhandlungsposition. Doch alles der Reihe nach.

6 Tipps für die Gehaltsverhandlung in der Pflege

Qualifizierte Pflegekräfte werden händeringend gesucht – das ist längst kein Geheimnis mehr. Dazu kommt: Eine Tätigkeit in der Pflege ist meist sowohl körperlich, als auch psychisch extrem belastend. Und wenn du schon länger dabei bist, sprechen deine Berufserfahrung, sowie eventuell absolvierte Weiterbildungen für deine Professionalität. Höchste Zeit, deinem Arbeitgeber eine Gehaltserhöhung vorzuschlagen. Wir zeigen dir, worauf es dabei ankommt.

1. Kenne deinen Wert!

Was verdienen andere Pflegekräfte mit ähnlichen Qualifikationen, die ebenso lange wie du im Beruf sind? Um das herauszufinden, musst du nicht deine Kollegen und Kolleginnen ausquetschen. Foren, in denen Pflegekräfte aktiv sind, diverse Online-Vergleichsportale oder die Website der Bundesagentur für Arbeit können in dieser Hinsicht gute Anhaltspunkte liefern.

Wichtig: Nenne deinem Arbeitgeber nicht exakt den Betrag, den du recherchiert hast. Denn in einem Punkt ähneln sich alle Vorgesetzten dieser Welt – sie werden dich herunterhandeln. Wenn du von vornherein ein paar Hundert Euro draufpackst, sind die Chancen größer, letztendlich dein Wunschgehalt zu bekommen.

2. Nimm’ deinen Tarifvertrag unter die Lupe!

Du bist im öffentlichen Dienst beschäftigt und wirst für deine Arbeit nach Tarif (TVöD) bezahlt? Dann bereite dich auf die Gehaltsverhandlung in der Pflege vor, indem du dir die Beschreibung deiner Tarifgruppe ganz genau durchliest. Führst du in deinem Alltag Aufgaben durch, die eigentlich einer höheren Vergütung zugeordnet sind? Dann kann es sein, dass du in eine Tarifgruppe eingeordnet wurdest, die nicht zu deiner Stelle passt – ein schlagkräftiges Argument für eine Gehaltserhöhung.

3. Nutze Weiterbildungen als Karriere-Kick!

Hast du Fort- und Weiterbildungen absolviert, zeigst du deinem Arbeitgeber, dass dir deine professionelle Entwicklung wichtig ist und du neue Kompetenzen erwirbst. Das macht dich einzigartig. Du kennst dich besonders gut mit Kinästhetik aus oder hast Qualifikationen in der Betreuung von Schlaganfallpatienten erworben? Damit ergeben sich für dich neue Aufgabenfelder –  und eine sehr gute Ausgangsposition für die Gehaltsverhandlung in der Pflege!

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4. Führe ein Erfolgstagebuch!

Das klingt ein bisschen selbstverliebt? Sollte es aber gar nicht. Denn das, was du jeden Tag leistest, ist es wert, festgehalten zu werden. Ein Erfolgstagebuch kann dir helfen, zu erkennen, was dich als Pflegekraft so besonders macht. Außerdem lernst du deine eigenen Fähigkeiten so besser kennen. 

Bist du kommunikativ und kannst super im Team arbeiten? Hast du Erfahrungen mit bestimmten Krankheitsbildern, die dich von Kollegen und Kolleginnen unterscheiden? Dann: Ran an den Bleistift. Auch deine Weiterbildungen und Qualifikationen solltest du dir notieren.

Wenn du aufschreibst, was dich auszeichnet und wo deine Stärken liegen, gibst du deinem Selbstbewusstsein einen gehörigen Push – das macht in den Gehaltsverhandlungen Eindruck bei deinem Arbeitgeber.

5. Schau’ dir vor der Gehaltsverhandlung in der Pflege ein paar Tricks von Rede-Profis ab!

Kennst du diese Sorte Menschen, die immer ein passgenaues Argument parat haben? Diese Menschen, die es schaffen, andere einfach jedes Mal von ihrer Meinung zu überzeugen? Ohne jetzt zu tief in die Themen Psychologie und Rhetorik einzutauchen, kann es trotzdem sinnvoll sein, sich im Vorfeld einer Gehaltsverhandlung in der Pflege mit ein paar Rede-Tricks zu wappnen.

  • Die Dinge beim Namen nennen: Wenn es um mehr Gehalt geht, ist es wichtig, zugleich höflich und bestimmt rüberzukommen. Sätze im Konjunktiv wie “Ich würde/hätte gerne” klingen unsicher, vage und nicht sehr selbstbewusst. Formuliere deine Forderungen lieber klar und respektvoll.
  • Je präziser deine Gehaltsforderung, desto besser: Unterbreitest du deinem Arbeitgeber einen Vorschlag, den du auf den Euro genau ausgerechnet hast, zeigst du, dass du den Wert deiner Arbeit kennst (und natürlich auch begründen kannst – s.o.).

6. Nicht vorschnell aufgeben!

Dein Arbeitgeber ist von deinem Vorschlag weniger angetan, als du gehofft hast? Das nervt zwar (verständlicherweise), ist aber glücklicherweise noch nicht das Ende der Fahnenstange. Selbst wenn ihr euch nur auf deine Minimalforderung einigen konntet, kannst du vielleicht in anderen Bereichen noch ein paar Vorteile herausholen. 

Das kannst du beispielsweise außer der Vergütung noch verhandeln:

  • Finanzierung von Weiterbildungen
  • flexible Arbeitszeiten und/oder mehr Urlaub
  • private Nutzung des Dienstwagens 
  • Steigerung des Gehalts in Form von Raten über einen längeren Zeitraum
     

Was du außerdem bei der Gehaltsverhandlung in der Pflege beachten solltest!

Die Berufsgruppe der Pflegekräfte gehört zu denjenigen Branchen, in denen am seltensten über Gehalt verhandelt wird. Ob das am sogenannten Helfer-Syndrom liegt (wie oft behauptet wird), sei hier einmal dahingestellt. Denn was soll das eigentlich bedeuten? Gerade Helfer haben es doch schließlich verdient, für ihre wichtige Arbeit angemessen bezahlt zu werden. Wir zeigen dir deshalb, was es bei der Gehaltsverhandlung ansonsten zu beachten gilt.

Was kann man bei einem privaten Träger verhandeln?

Das kommt darauf an, ob dein Arbeitgeber mit oder ohne Haustarif kalkuliert. 

  • Haustarif: Das ist oft ein Vorteil. Denn wo ein Haustarif vorhanden ist, gibt es meist auch Spielraum – und eine besonders gute Ausgangslage für Gehaltsverhandlungen. Häufig ist der Haustarif nämlich an anderen gängigen Tarifen der Branche orientiert.

  • Ohne Haustarif: Dann ist dein Verhandlungsgeschick gefragt. Hier läuft es, wie in der freien Wirtschaft: Je besser du dich auf das Gehaltsgespräch vorbereitest und je mehr du vorzuweisen hast, desto besser sind in diesem Fall deine Chancen, nah an dein Wunschgehalt zu kommen.


Tarifgebunden: Was kann man bei einem gemeinnützigen Träger verhandeln?

Du wirst nach Tarif bezahlt und fragst dich, ob eine Gehaltsverhandlung in der Pflege in diesem Fall überhaupt möglich ist? Wir haben es schon kurz erwähnt, wiederholen es aber gerne an dieser Stelle: Ja! 

Sieh’ dir die Entgelttabelle des für dich gültigen Tarifvertrages genau an. Häufig ist das nach Tarif gezahlte Gehalt zwar ohnehin höher, als das Gehalt bei privaten Trägern. Doch mit einem aufmerksamen Blick in die Tätigkeitsbeschreibung und das Kleingedruckte kannst du vielleicht noch einige Extra-Euros herausholen.

Fazit: Eine Gehaltsverhandlung in der Pflege ist dein gutes Recht!

Pflegekräfte werden im Gesundheitssystem dringend gebraucht, leisten extrem wichtige Arbeit und tragen eine hohe gesellschaftliche Verantwortung. Klar, dass diese anspruchsvolle Tätigkeit angemessen vergütet werden sollte! Wir hoffen, dass dir unsere Tipps für die Gehaltsverhandlung in der Pflege geholfen haben und wünschen dir ganz viel Mut & Erfolg für dein Gehaltsgespräch!