Gewalt in der Pflege – aggressive Pflegekräfte

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 18.01.2021.

Gewalttätige Pflegekräfte: Woher kommt die Aggression?

So vielfältig ist Gewalt im Pflegealltag

Das Verhältnis zwischen Pfleger und Pflegebedürftigem ist immer auch ein Vertrauensverhältnis. Denn nur in wenigen Fällen ist die Macht über den jeweils anderen gerecht verteilt. In der Regel ist der Pfleger oder die Pflegerin diejenige, die dem Patienten oder Bewohner körperlich überlegen ist. Sie sind je nach Pflegefall jünger, unversehrter und auch geistig fitter. Hinzu kommt die Autorität, über die Pflegekräfte verfügen. Sie verwalten die Medikamente, haben im Zweifelsfall das Sagen und können die Gesundheit des Pflegenden aktiv entweder zum Besseren oder zum Schlechteren wenden. Diese Konstellation führt dazu, dass es im Pflegealltag immer wieder zu Gewaltanwendungen kommt. 


Wie kann Gewalt gegen Pflegebedürftige aussehen?

Wer an Gewalt denkt, der hat zunächst einmal erhobene Fäuste, Blut und gebrochene Knochen vor Augen. Und tatsächlich kann körperliche Gewalt auch in der Pflege ein Thema sein. Darüber hinaus existieren jedoch noch viele Formen von Gewalt, die weit weniger sichtbar sind – aber nicht weniger verletzend. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Die Vernachlässigung von Pflegebedürftigen und Patienten, etwa durch Vorenthalten von Mahlzeiten oder der Körperpflege
  • Die Entwendung von Hilfsmitteln wie dem Rollstuhl, Rollator oder Krücken
  • Die Gefährdung der Gesundheit zum Beispiel durch Vorenthalten von Medikamenten, falscher Medikamentengabe oder das Ignorieren von Schmerzen oder Krankheitssymptomen
  • Das Verletzen durch Worte, abfällige Bemerkungen, Beleidigungen oder fehlende Wertschätzung
  • Sexuelle Übergriffe oder Belästigung
  • Verletzung der Privatsphäre, zum Beispiel durch das Durchsuchen von persönlichen Gegenständen
  • Erpressung, Diebstahl oder finanzieller Betrug

Daneben gibt es noch zahlreiche andere Arten, in der sich Aggressionen gegen Pflegebedürftige äußern – es beginnt bei der Missachtung religiöser Vorschriften und geht hin bis zur völligen Kontrolle der Sozialkontakte und des Tagesablaufs der Person. Dabei sollte beachtet werden, dass eine Art der Gewalt nicht zwingend weniger schlimm ist als eine andere. Dies wird von jedem Menschen individuell wahrgenommen. Während für den einen zum Beispiel die Wahrung der Privatsphäre das höchste Gut ist, leidet der andere am meisten unter der Vernachlässigung seiner Körperhygiene. 
 

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Aus diesen Gründen werden Pflegekräfte gewalttätig

Die große Mehrheit der Pflegerinnen und Pfleger würde niemals auf den Gedanken kommen, gegenüber einem Patienten vorsätzlich Gewalt anzuwenden. Doch so wie in jedem anderen Beruf gibt es auch hier schwarze Schafe – und auch diese werden nur in den seltensten Fällen aus purem Sadismus gewalttätig. Stattdessen stecken dahinter komplexe Gründe, die sich meist aus mehreren Faktoren zusammensetzen. Grundlage ist oft eine generelle Überforderung: Die Pflegekräfte haben selbst körperliche Schmerzen, persönliche Probleme oder leiden unter Schlafmangel und sehen die Patienten als zusätzliche Belastung oder gar als Verursacher der Probleme, der sie ausgesetzt sind. Durch die körperliche Unterlegenheit sind diese leichte Opfer.
 
Andererseits merken viele Pflegekräfte gar nicht, dass sie sich verletzend verhalten. Ihnen ist oft eine Grenze nicht klar: Wo endet beispielsweise bei dementen Patienten freundliches Verhalten und wo beginnt die Herabwürdigung – zum Beispiel durch „Verkindlichung“ der Sprache und der Umgangsformen? Wo endet die Fürsorge für einen Bewohner und wo beginnt die Freiheitsberaubung? Nicht immer ist es leicht zu beurteilen, was in einer Situation angebracht ist. Das ist keine Seltenheit, sondern führt sogar sehr oft zu unangebrachtem Verhalten: In verschiedenen Studien gaben bis zu 72% der befragten Pflegekräfte an, in ihrem Verhalten schon einmal Anzeichen für Misshandlung oder Vernachlässigung beobachtet zu haben.

Auch gesundheitliche Gründe können für Gewalt in der Pflege verantwortlich sein. So ist es möglich, dass Suchtkrankheiten oder psychische Erkrankungen dazu führen, dass Pflegekräfte Gewalt anwenden. 


So kannst du Gewalt in der Pflege verhindern

Pflegebedürftige brauchen besonderen Schutz, denn oft sind sie nicht in der Lage, sich selbst zu wehren. Deshalb solltest du als Pflegekraft besonders aufmerksam sein, wenn du den Verdacht hast, dass einer deiner Kollegen seine Aggressionen an Patienten oder Bewohnern auslassen könnte. Besonders, wenn es sich um subtile, psychische Gewalt handelt, kann es jedoch schwer sein, jemanden auf frischer Tat zu ertappen. Beobachte in diesem Fall, ob der Kollege ein unübliches Verhalten an den Tag legt. Ist es zum Beispiel schnell gereizt oder zieht er es vor, mit den Patienten allein zu sein?

Gelingt es dir nicht, bei einem Verdacht mit dem Patienten selbst über einen möglichen Missbrauch zu sprechen, dann achte auch bei ihm auf Anzeichen körperlicher Gewalt oder Vernachlässigung: Hat er regelmäßig blaue Flecken, Schürfwunden oder Platzwunden? Riecht er unangenehm, nimmt er schnell ab oder hat dunklen Urin (beides kann auf Unterernährung hindeuten)? Verändert der Patient sein Verhalten, ohne dass es einen Grund dafür gibt? Wird er ruhiger, verängstigt, schreckhaft, hat er Schlafprobleme, wird teilnahmslos oder aggressiv? Verhält sich der Bewohner anders, wenn ein bestimmter Pfleger in der Nähe ist? Natürlich können all diese Auffälligkeiten auch ganz andere Gründe haben – gerade bei alten oder kranken Menschen sind solche Veränderungen nicht unüblich und zum Beispiel auf bestimmte Medikamente, Demenz oder sonstige Krankheiten zurückzuführen. Leider ist es deshalb sehr schwer, Gewaltanwendungen anhand dessen nachzuweisen. Diese bleiben in der Folge oft unentdeckt.

Bei einem konkreten Verdacht solltest du auf jeden Fall deinen Vorgesetzten oder die Heimleitung informieren. Hilft das nicht weiter und besteht akute Gefahr oder es handelt sich um einen schweren Fall, dann wende dich an den medizinischen Dienst der Krankenversicherung. Da Körperverletzung, Erpressung, Medikamentenmissbrauch etc. natürlich Straftaten sind, solltest du in einem solchen Fall auch die Polizei verständigen.

Was, wenn du selbst gewalttätig wirst?

Viele Pfleger fühlen sich hin und wieder überfordert und frustriert. Das ist keine Schande, sondern im Gegenteil leider eine allzu häufige Begleiterscheinung des Berufs. Ab und zu richten sich diese negativen Gefühle dann gegen die Pflegebedürftigen. Beobachtest du solche Tendenzen bei dir selbst, ist es sehr wichtig, zu handeln. Oftmals fühlen sich Pfleger in solchen Situationen hilflos und geben deshalb dem inneren Drang nach. Stattdessen solltest du dir in solch einem Fall unbedingt Hilfe holen. Das kann schon damit beginnen, dir ein paar Tage freizunehmen oder dich krankschreiben zu lassen, wenn du dich überlastet fühlst. 
 

Oftmals fühlen sich Pfleger in solchen Situationen hilflos und geben deshalb dem inneren Drang nach. “

Ist es damit nicht getan, sieht die Situation schwieriger aus. Der richtige Weg geht hier in der Regel über deinen Vorgesetzten. Das ist ein schwieriger Schritt, weil viele Betroffene um ihren Job fürchten. Dabei gibt es in den meisten Fällen eine Lösung. Identifiziere die Ursache, weshalb du dich in bestimmten Situationen aggressiv fühlst: Liegt es an einer konkreten Person? Dann kann der Kontakt zu dieser vielleicht vermieden werden. Hast du in deinem Privatleben Probleme? Dann kann in schweren Fällen eine berufliche Auszeit helfen oder – und das ist die beste Lösung für Probleme dieser Art – die Unterstützung durch einen Psychologen. Weil es schwierig sein kann, dort schnell einen Termin zu bekommen, kannst du dir auch an anderen Stellen Hilfe holen. Hier beim Zentrum für Qualität in der Pflege findest du wichtige Kontaktstellen, die du benachrichtigen kannst, wenn du dich selbst überfordert fühlst oder wenn du Gewalt beobachtet hast.

Gewalt in der Pflege ist gerade deshalb ein Problem, weil sie so oft unsichtbar bleibt. Experten vermuten hier eine sehr hohe Dunkelziffer – gerade deshalb solltest du besonders wachsam sein und dein eigenes Verhalten und das deiner Kollegen beobachten. Allein ein verstärktes Bewusstsein kann viel verändern – zusammen mit dem Mut, in konkreten Fällen tätig zu werden. 
 

 

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