Eine Hebamme tastet den Bauch einer Frau ab

Verfasst von Laura Hörner. 

Hebamme Studium: Voraussetzungen, Dauer & mehr

Was macht eine Hebamme und wie kannst du diesen Beruf ergreifen?

Noch bis vor ein paar Jahren war die Hebamme ein Ausbildungsberuf. Seit dem Jahr 2020 ist das anders: Die neue, verpflichtende Hebammenausbildung ist nun ein duales Studium. Wie du Hebamme werden kannst, welche Voraussetzungen du dafür mitbringen musst und was dich in Studium und Beruf erwartet, erfährst du im Folgenden. 

Hebamme: Aufgaben & Berufsbild 

Wenn du an eine Hebamme denkst, dann kommt dir sicherlich als Erstes eine Geburt in den Sinn – klar, denn darum dreht sich in dem Beruf im Endeffekt alles. Was du aber vielleicht noch nicht wusstest: Die Aufgaben einer Hebamme sind deutlich vielseitiger als nur die Unterstützung bei der Entbindung. Diese Tätigkeiten umfasst das Berufsbild unter anderem:

  • Du stellst die Schwangerschaft fest 
  • Du beobachtest, ob während der Schwangerschaft alles normal verläuft und unterstützt bei der Schwangerenvorsorge (zum Beispiel ertastest du die Lage des Babys, hörst die Herztöne ab, misst den Blutdruck und vieles mehr)
  • Du bereitest die Mutter auf die Geburt und die Zeit danach vor und berätst zum Beispiel zum Thema Stillen und Ernährung
  • Du unterstützt die Mutter bei der Entbindung und greifst ein, wenn es medizinisch notwendig ist. Gibt es bei der Geburt größere Komplikationen, musst du eine Ärztin oder einen Arzt hinzuziehen 
  • Nach der Entbindung notierst du wichtige Daten wie das Gewicht, Größe, Geschlecht etc. und untersuchst das Kind
  • Du besuchst Mutter und Kind auch nach der Geburt weiterhin und bist ihr:e Ansprechpartner:in. Du versorgst sie medizinisch, aber hilfst auch dabei, eine gute Mutter-Kind-Bindung aufzubauen
  • Du vermittelst weiterführende Angebote, welche Mutter und Kind benötigen
  • Viele Hebammen bieten auch Kurse an, zum Beispiel zur Rückbildungsgymnastik 

Gibt es auch männliche Hebammen?

Eines ist dir bei deiner ersten Assoziation vielleicht auch aufgefallen: Die meisten Menschen denken bei dem Beruf der Hebamme automatisch an Frauen. Dabei gibt es auch männliche Hebammen – diese sind aber deutlich in der Minderheit. Von rund 24.000 Hebammen in Deutschland sind schätzungsweise zwischen 6 und 30 männlich. Da das Wort „Amme“ eigentlich eine Frau beschreibt, wird eine männliche Hebamme manchmal auch als Entbindungspfleger bezeichnet. 

Beleghebamme, Hebammenpraxis & Co – Wo arbeiten Hebammen? 

Nach einer abgeschlossenen Ausbildung zur Hebamme hast du mehrere Möglichkeiten, deinen Beruf auszuüben. Prinzipiell hast du die Wahl zwischen der Selbstständigkeit oder einer Festanstellung. Entscheidest du dich für letztere, dann arbeitest du zum Beispiel in der Geburtsabteilung eines Krankenhauses, doch auch spezialisierte Hebammenpraxen oder Geburtshäuser sind typische Arbeitgeber für Hebammen. 

Als freiberufliche Hebamme hingegen bist du viel unterwegs: Du machst Hausbesuche, bietest Geburtsvorbereitungskurse an und hast vielleicht sogar deine eigene Hebammenpraxis. Selbstständige Hebammen führen zudem oft Hausgeburten durch. Der Vorteil der Selbständigkeit: Du kannst deine Kundinnen von Anfang bis Ende begleiten und bist nicht nur im Krankenhaus für sie da. Viele selbstständige Hebammen entscheiden sich aufgrund von versicherungsrechtlichen Gründen auch dafür, keine Entbindungshilfe zu leisten, sondern lediglich in der Vor- und Nachsorge tätig zu sein.

Möchtest du die Vorteile einer Selbstständigkeit und der Angestelltentätigkeit kombinieren, dann wirst du am besten zur Beleghebamme. Dann bist du zwar selbstständig tätig, hast aber zusätzlich einen sogenannten Belegvertrag mit einer oder mehreren medizinischen Einrichtungen, in denen du arbeiten und so deine Kundinnen auch während der Geburt im Krankenhaus begleiten kannst. Manche Beleghebammen sind zusätzlich zu ihrer freiberuflichen Tätigkeit im Schichtdienst im Krankenhaus tätig.

Zudem hast du die Möglichkeit, als Familienhebamme zu arbeiten. Du kümmerst dich dann in der Regel um Mütter, die sich in besonders belastenden Situationen befinden: zum Beispiel sehr junge, psychisch kranke, finanziell oder sozial schlecht gestellte Frauen – oder solche, deren Kinder krank, zu früh geboren oder gar verstorben sind. Insgesamt begleitest und berätst du als Familienhebamme die Mutter und das Kind noch bis zu einem Jahr nach der Geburt.

Das Studium zur Hebamme löst die Hebammen-Ausbildung ab

Lange Zeit war die Ausbildung zur Hebamme der beliebteste Weg, um in diesem Beruf tätig zu werden. Das änderte sich 2020, denn von da an trat ein neues Gesetz in Kraft. Dieses sieht nun ein duales Studium zur Hebamme als einzige zugelassene Berufsqualifikation vor. Bis Ende 2022 gilt noch eine Übergangsfrist, in welcher weiterhin eine Hebammen-Ausbildung begonnen und bis Ende 2027 abgeschlossen werden kann. 
Die Umstellung von der Ausbildung zur Hebamme auf das Studium der Hebammenwissenschaften ist ein Teil der Akademisierung der Pflege – diese soll dadurch einerseits noch stärker professionalisiert und andererseits auch für Arbeitnehmer:innen attraktiver gemacht werden. So ist der neue Hebammen-Abschluss in der ganzen EU anerkannt, kann unter Umständen ein höheres Gehalt mit sich bringen und wird voraussichtlich auch in der breiten Gesellschaft einen höheren Stellenwert einnehmen. 

Die neue Ausbildung zur Hebamme besteht nun aus einem dualen Studium, das zwischen drei und vier Jahren dauert und mindestens 2.200 Stunden Praxisanteil enthält. Deine praktischen Erfahrungen sammelst du in Einrichtungen, die mit den Hochschulen kooperieren, und erhältst dafür eine Entlohnung. Diese liegt in der Regel zwischen 700 Euro pro Monat im ersten Jahr und bis zu 1.100 Euro im dritten. Etwas höher kann dein Gehalt in öffentlichen Einrichtungen mit Tarifvertrag aussehen. Dort steigst du bei etwa 950 Euro ein. 
 

Das lernst du im Hebammenstudium 

Im dualen Studium zur Hebamme warten viele spannende Inhalte auf dich, die auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Das ist besonders wichtig, denn gerade bei gesundheitlichen Berufen ist es unerlässlich, dass du lernst, neue Forschungserkenntnisse zu verstehen, zu hinterfragen und letztendlich auch richtig zum Wohl deiner Patient:innen einzusetzen. 

Im ersten Jahr des Hebammen-Studiums lernst du zunächst die „Basics“ der Hebammenwissenschaft kennen und erfährst alles über biologische und medizinische Grundlagen.

In deinem zweiten Studienjahr wird verstärkt darauf eingegangen, was beim „regelwidrigen Verlauf“ einer Schwangerschaft oder Geburt zu tun ist. Du sammelst zudem Erfahrungen in der Forschung. In den restlichen Semestern vertiefst du deine Kenntnisse weiter.

Das Hebammen-Studium wird durch Praxiseinsätze begleitet. Diese finden zum Beispiel in den Bereichen Schwangerschaft und Geburt, Gynäkologie, Neonatologie (ein medizinischer Spezialbereich, der sich mit Erkrankungen von Neugeborenen auseinandersetzt), Wochenbett und Stillzeit, in der ambulanten Versorgung und bei freiberuflichen Hebammen statt.

Diese Voraussetzungen solltest du für ein Hebammen-Studium erfüllen

Möchtest du eine (akademische) Ausbildung zur Hebamme oder zum Entbindungshelfer absolvieren, musst du dafür einige Zugangsvoraussetzungen erfüllen. Ein Hebammen-Studium setzt zunächst einmal voraus, dass du über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügst. Diese erwirbst du durch das (Fach)abitur. Alternativ kannst du dein Studium zur Hebamme auch beginnen, wenn du bereits eine dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft abgeschlossen hast. Außerdem musst du ein Gesundheitszeugnis, einen Nachweis über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache sowie ein aktuelles erweitertes Führungszeugnis vorweisen können. Je nach Hochschule können weitere Bedingungen anfallen.

Dazu kommen die persönlichen Voraussetzungen. Vor Beginn eines Hebammenstudiums solltest du dir gut überlegen, ob der Beruf zu dir passt. Diese Eigenschaften sind in dem Job gefragt:

  • Einfühlungsvermögen und Empathie
  • Eine gute Kommunikationsfähigkeit
  • Ein hohes Verantwortungsbewusstsein 
  • Flexibilität (auch Arbeit in der Nacht und an Feiertagen ist bei manchen Hebammen keine Seltenheit)
  • Hohe Lernbereitschaft und gute Auffassungsgabe
  • Stressresistenz und ein „kühler Kopf“ auch in angespannten Situationen
  • Eine hohe körperliche und mentale Belastbarkeit

Entgegen häufiger Annahme musst du keine eigenen Kinder haben, wenn du Hebamme werden willst. Natürlich kann es helfen, eine Geburt und deren Höhen und Tiefen selbst erlebt zu haben. Wenn du keine Kinder hast, kannst du wiederum davon profitieren, unvoreingenommen und neutral an bestimmte Situationen heranzugehen. Ob du eine gute Hebamme bist, hängt in keinem Fall damit zusammen, ob du selbst eine Geburt durchgemacht hast oder nicht. 
 

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Hebamme Gehalt: So viel verdienst du in der Geburtsbegleitung

Viele Studierende der Hebammenwissenschaften erfüllen sich mit diesem Studium einen Traum: Schließlich kann der Beruf der Hebamme sehr erfüllend sein. Irgendwie muss aber natürlich die Miete bezahlt werden. Lohnt sich die Ausbildung zur Hebamme auch aus finanzieller Sicht?
Prinzipiell ist der Verdienst einer Hebamme in der Festanstellung häufig niedriger als in der Selbstständigkeit. Zu Beginn sind etwa 2.000 Euro bis zu 2.900 € brutto drin. Hast du ein paar Jahre Erfahrung gesammelt, kann dein Gehalt als Hebamme auf bis zu 3.600 € steigen. Das sind natürlich nur Richtwerte – je nach Arbeitgeber, Wohnort, Verhandlungsgeschick etc. variiert das Hebammen-Gehalt stark. 

Das Gehalt als selbstständige Hebamme liegt hingegen bei rund 40.000 € bis 50.000 € brutto im Jahr. Das hört sich erst einmal nach viel an, du solltest aber beachten, dass eine freiberufliche Hebamme auch viel mehr Ausgaben hat als in der Festanstellung. Ob also netto wirklich mehr übrig bleibt, hängt von mehreren Faktoren ab. 

 

Die Geburtenzahlen in Deutschland steigen seit ein paar Jahren wieder. Für Hebammen sind das gute Nachrichten: Der Beruf ist gefragt und die Berufsaussichten recht gut. In Deutschland gibt es viele Regionen, in denen Hebammen und Entbindungspfleger gesucht werden. Wenn du dich also für ein Hebammen-Studium interessiert, dann musst du dir in der Regel keine Sorgen machen, danach keinen Job zu finden. Wir hoffen, dass wir dir hier einen guten Überblick über den Beruf und das Studium zur Hebamme geben konnten!