Als Pflegekraft im Gefängnis arbeiten

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 21.06.2021.

Pflege hinter Gittern: Als Pflegekraft im Strafvollzug

Ist die Arbeit im Gefängnis wirklich gefährlich?

Was passiert eigentlich, wenn ein Inhaftierter krank wird? Klar, dann geht er natürlich zum Arzt. Weil die Behandlung außerhalb des Strafvollzugs kompliziert sein kann, haben die meisten Gefängnisse entweder eigene Ärzte, eine eigene Krankenstation oder ein Vollzugskrankenhaus, in denen natürlich auch Pflegekräfte als Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt sind. Nicht alle Pflegerinnen und Pfleger haben diese Berufsoption auf dem Schirm – dabei bietet der Strafvollzug einen facettenreichen Arbeitsalltag. Wie die Pflege von Häftlingen sich von der außerhalb des Gefängnisses unterscheidet und wann du lieber nicht in einem Strafvollzug arbeiten solltest, erfährst du hier!


Zwischen Sicherheit und Routine: Der Alltag einer Pflegekraft im Strafvollzug

Morgens zur Tür rein, abends zur Tür raus? Ganz so einfach ist das nicht, wenn du in einer Haftanstalt arbeitest. Sowohl beim Betreten als auch beim Verlassen deines Arbeitsplatzes musst du erst einmal die sogenannte Sicherheitsschleuse durchdringen – also durch mehrere gesicherte Türen kommen. Im Gefängnis liegt natürlich ein besonders großes Augenmerk darauf, dass nicht jeder einfach rein- oder rauskommt. 

Abgesehen von deiner Arbeitsumgebung ähnelt dein tatsächlicher Arbeitsalltag im Gefängnis demjenigen, den du auch im Krankenhaus oder gar in einem Pflegeheim erleben würdest. Genau wie alle Menschen werden auch Häftlinge krank und alt und müssen behandelt werden. Dazu kommen die Gefangenen in die gefängniseigene Krankenstation oder zur stationären Pflege in ein Vollzugskrankenhaus und werden dort von Ärzten und Pflegekräften behandelt. Die Beschwerden sind in der Vollzugsanstalt ähnlich wie außerhalb des Gefängnisses: „Volkskrankheiten“ wie Diabetes oder Bluthochdruck machen selbstverständlich auch vor Häftlingen nicht Halt. 

Die Arbeit im Gefängnis: Nicht alles ist so wie „draußen“

Dennoch gibt es natürlich Unterschiede zur Arbeit in zivilen Einrichtungen. So kommt es im Gefängnis oder der öfters vor, dass Patienten an Entzugserscheinungen leiden und auch die demografische Verteilung ist anders als außerhalb der Einrichtung. So sitzen in deutschen Gefängnissen zu über 90 Prozent Männer. Wenn du also nicht gerade in einem Frauengefängnis oder einer Jugendstrafanstalt arbeitest, wirst du es als Pfleger oder Pflegerin vor allem mit erwachsenen männlichen Patienten zu tun haben. Viele Insassen sprechen zudem kein gutes Deutsch, was zu Verständigungsproblemen in der Praxis führen kann. Aufgrund des Umfelds kann es öfters vorkommen, dass Patienten mit Messerstichen oder Schussverletzungen behandelt werden müssen – meist sind das Täter, die in der Untersuchungshaft sitzen. Im Gefängnis selbst kommt es nur sehr selten zu Gewalt. 

Nicht vergessen darf man auch im Gefängnis den demografischen Wandel. Viele Insassen sind alt und der Altersdurchschnitt steigt auch hinter Gittern. Nicht nur die akute Behandlung steht hier also im Vordergrund, sondern auch die Pflege von alten oder chronisch kranken Häftlingen. 

Eine Besonderheit der Arbeit im Gefängnis: Einige Patienten könnten versuchen, Gegenstände wie Handys, Zigaretten oder Waffen zu schmuggeln und zu verstecken. Pflegekräfte müssen deshalb regelmäßig die Station gründlich nach solchen unerwünschten Gegenständen durchsuchen. 
 

"Klassische" Arbeitgeber stellen sich vor

Was muss eine Pflegekraft im Strafvollzug mitbringen?

Auch wenn sich die Arbeit im Strafvollzug zumindest inhaltlich gar nicht so sehr von der Arbeit in einer zivilen Einrichtung unterscheidet, solltest du dennoch einige Voraussetzungen mitbringen, um in diesem Job zu bestehen. Denn es können bei der Arbeit mit Insassen schwierige Situationen entstehen. 

Auch wenn es vielleicht so scheinen mag, ist die Arbeit im Gefängnis in der Regel nicht gefährlich. Nur selten werden Pflegekräfte tatsächlich angegriffen oder bedroht. Um sie zusätzlich zu schützen, sind sie mit einem Warnknopf ausgestattet, mit dem sie schnell Hilfe anfordern können. Oft sind Pflegekräfte zu zweit unterwegs, um schwierige Situationen von Beginn an zu vermeiden.

Dennoch solltest du nicht vergessen, dass im Gefängnis auch der Umgang mit gewaltbereiten Straftätern an der Tagesordnung steht. Psychische Krankheiten kommen zudem bei Insassen häufiger vor und können dazu führen, dass Pflegekräfte angegriffen werden. Wenn du hier arbeiten möchtest, solltest du also ein sicheres Auftreten haben, selbstbewusst sein und vor allem wissen, welche Reaktion in solchen Situationen angemessen ist. Auch wenn du Wert auf ein harmonisches Arbeitsumfeld legst, könnte die Arbeit in der Justizvollzugsanstalt nicht das Richtige für dich sein: Der Umgangston kann schon einmal rauer werden und die Tatsache, den ganzen Tag „hinter Gittern“ zu verbringen, schlägt vielen Beschäftigten aufs Gemüt. Für die Gefangenen sieht das übrigens anders aus: Viele Patienten freuen sich behandelt zu werden – denn weiche Betten und helle Räume mit großen Fenstern sind eine willkommene Abwechslung zu den eher trostlosen Zellen! 

Nicht zuletzt solltest du für diese Arbeit die richtige Einstellung mitbringen: Die Insassen sind genauso Patienten wie es Personen außerhalb des Gefängnisses sind und sollten auch so behandelt werden. Für dich sollte also der Mensch an sich und nicht seine Geschichte im Vordergrund stehen. Hast du Vorurteile gegenüber Straftätern und bist nicht der Meinung, dass diese dieselbe Behandlung erfahren sollten wie der Durchschnittsbürger, dann solltest du dir noch einmal überlegen, ob dieser Beruf zu dir passt.
 

Finde passende Jobs als Pflegekraft

Der Weg ins Gefängnis: Wie kann ich Pflegekraft im Strafvollzug werden?

Für die Arbeit im Gefängnis brauchst du als Pflegerin oder Pfleger in fachlicher Hinsicht dieselben Fähigkeiten wie auch in anderen Einrichtungen. Als examinierte Pflegefachkraft kannst du dich deshalb ganz einfach auf einen Job im Strafvollzug bewerben. Weil sich die Arbeit im Alltag jedoch von der in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung unterscheidet, erhältst du in der Regel eine zusätzliche Ausbildung, um dich besser auf die Herausforderungen bei der Arbeit mit Häftlingen vorzubereiten. Diese kann rund drei bis sechs Monate dauern. Dabei lernst du zum Beispiel, kritische Situationen einzuschätzen und richtig darauf zu reagieren sowie auf die speziellen Bedürfnisse von inhaftierten Patienten einzugehen.

Nicht überall genügt das Pflegeexamen für die Arbeit im Justizvollzug. In einigen Bundesländern musst du eine zusätzliche zweijährige Ausbildung zum Justizvollzugsbediensteten absolvieren. Erst dann ist die Tätigkeit als Pflegekraft im Gefängnis möglich – und auch die Verbeamtung.   


Die Arbeit als Pflegekraft im Strafvollzug ist herausfordernd und kann belastend sein – nicht jeder mag das Gefühl, bei der Arbeit eingesperrt zu sein und tagein tagaus mit Straftätern zusammenzuarbeiten. Dennoch kann auch genau das den Reiz des Berufs ausmachen: Jeder Tag bringt neue Aufgaben mit sich, es wird nie langweilig und du kannst viele wertvolle Erfahrungen sammeln. Könntest du dir die Arbeit in einem Gefängnis vorstellen?