Fortbildung zum Pflegeberater

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 17.02.2021.

Pflegeberater werden: Die helfende Hand für Betroffene

Aufgaben, Gehalt und mehr im Überblick

In Deutschland werden sehr viele Menschen zu Hause gepflegt – 2019 lag die Zahl bei rund 3,4 Millionen. Oft wissen die Pflegebedürftigen oder ihre Angehörigen jedoch nicht, welche Rechte sie haben, auf welche Leistungen sie Anspruch haben oder wie sie überhaupt an die Hilfe kommen, die ihnen zusteht. Um ihnen die Situation zu erleichtern, ist im deutschen Gesetz das Recht auf Pflegeberatung verankert. Das bedeutet, dass jeder Pflegebedürftige ein Recht darauf hat, eine unabhängige Beratung zu nutzen – und zwar individuell und kostenfrei. Damit das möglich ist, existiert der Beruf des Pflegeberaters. Was dessen Aufgaben sind und wie du diesen Beruf ergreifen kannst, liest du hier. 

Aufgaben und Tagesgeschäft: Was macht ein Pflegeberater bzw. eine Pflegeberaterin?

Auf den ersten Blick ist der Beruf des/der Pflegeberaters/Pflegeberaterin ziemlich selbsterklärend: Du berätst Pflegebedürftige und deren Angehörige in allen Themen, die die Pflege betreffen. Sieht man genauer hin, bringt der Job viele verschiedene Facetten mit sich, die ihn zu einem spannenden und herausfordernden Berufsbild machen.

Als Pflegeberater übernimmst du viele unterschiedliche Aufgaben und unterstützt Pflegebedürftige und Pflegende in der Organisation, indem du zum Beispiel mit ihnen einen individuellen Versorgungsplan erstellst. Dazu analysierst du deinen Fall genau und stellst den Versorgungsbedarf fest, wobei du dich, falls bereits geschehen, an der Einstufung des Medizinischen Diensts der Krankenkassen orientierst. Natürlich spielt aber auch deine eigene Einschätzung eine Rolle. Aufgrund der Informationen aus deiner Analyse nimmst du dann mögliche pflegerische Maßnahmen, Behandlungen oder Vorbeugungsmaßnahmen in deinem Plan auf. 

Hier endet deine Beratung jedoch noch nicht: Du unterstützt die Pflegebedürftigen bei der Organisation der Maßnahmen, kommunizierst mit den Angehörigen, Ärzten und Einrichtungen, hilfst beim Ausfüllen der Anträge und berätst zu rechtlichen Fragen. Ist der Versorgungsplan in die Tat umgesetzt, überwachst du dessen Durchführung und beobachtest, wie sich die Situation entwickelt. Ändert sich der Zustand der zu pflegenden Person, passt du den Plan entsprechend an. Das bedeutet, dass es sich bei der Pflegeberatung nicht nur um einen klassischen Schreibtischjob handelt (auch wenn es das in einigen Fällen sein kann), sondern, dass du auch viel bei Patienten zu Hause oder in Einrichtungen unterwegs bist.

Ausbildung und Voraussetzungen: Wer kann Pflegeberater werden?

Gleich einmal vorweg: Die Berufsbezeichnung des Pflegeberaters bzw. der Pflegeberaterin ist nicht geschützt. Das bedeutet, dass sich theoretisch jeder so nennen darf, was es für Pflegebedürftige oder Angehörige nicht gerade einfach macht, eine qualifizierte Fachkraft zu identifizieren. Um dich von anderen Anbietern abzuheben, kannst du aber den Titel eines Zertifizierten Pflegeberaters erlangen. 

Dazu solltest du eine entsprechende Weiterbildung machen, die vom GKV-Spitzenverband anerkannt ist. Das ist auch deshalb wichtig, weil du sonst später nicht von der Pflegekasse eingesetzt werden kannst. Diese Weiterbildung ist zum Beispiel neben dem Beruf in Teilzeit möglich und dauert in diesem Fall etwa ein Jahr. Dabei wirst du nicht nur an Präsenzunterricht am Abend oder am Wochenende teilnehmen, sondern dir auch viele Inhalte  und Kenntnisse selbst erarbeiten müssen. Auch ein Praktikum ist oft Teil des Programms, wenn du erst wenige Erfahrungen in der Pflege gesammelt hast. Ganz günstig ist diese Weiterbildung leider nicht: Insgesamt kann eine Qualifizierung je nach Anbieter über 2.000€ kosten. 

Um eine Weiterbildung zum Pflegeberater anzutreten, musst du bei allen Anbietern bestimmte Voraussetzungen mitbringen Die wichtigste ist ein vorangehender Abschluss im Pflegebereich, also zum Beispiel als Altenpfleger, Krankenpfleger, Gesundheitspfleger, Sozialversicherungsfachangestellter, Sozial- oder Heilpädagoge oder ein Abschluss in sozialer Arbeit inklusive einem Jahr beruflicher Erfahrung. Auch für Quereinsteiger gibt es Möglichkeiten, in dem Beruf Fuß zu fassen. Sie können dazu eine Umschulung machen. In diesem Fall empfiehlt es sich ebenfalls, zum Beispiel durch Praktika erste Erfahrungen in der Pflege zu sammeln, bevor die Umschulung begonnen wird.

Die unterschiedlichen Arten der Pflegeberatung

Nicht jeder Pflegeberater ist gleich. So werden im Grunde drei Gruppen von Beratern unterschieden:

  • Pflegeberater nach §7a SGB XI: Diese Berater bieten ein umfangreiches Angebot an. Sie schätzen die Fälle individuell ein, beraten die Betroffenen und begleiten die Pflegebedürftigen. 
  • Pflegeberater nach §45 SGB XI: Diese Berater führen hauptsächlich Schulungen mit Angehörigen oder Ehrenamtlichen durch, um sie auf ihre Aufgaben vorzubereiten und Empfehlungen zu geben.
  • Case Manager: Das Berufsbild des Case Managers überschneidet sich oft mit dem des Pflegeberaters. Der Case Manager befasst sich wie der Pflegeberater intensiv mit individuellen Fällen, kann aber auch Systemmanagement betreiben, also sich konkret um die Optimierung und Umsetzung von Maßnahmen und Prozessen im Pflegebereich kümmern. Er vermittelt praktisch zwischen Patienten und Einrichtungen.

Als Pflegeberater hast du neben der Selbständigkeit viele Möglichkeiten, eine feste Anstellung zu finden. Potenzielle Arbeitgeber sind zum Beispiel Kranken- oder Pflegeversicherungen, Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen, ärztliche Schwerpunktpraxen, private Beratungsunternehmen, Pflegestützpunkte der Länder, ambulante oder stationäre Pflegestationen und viele mehr. 

Jobangebote für Pflegekräfte, die was bewegen wollen

Welche persönlichen Voraussetzungen musst du mitbringen? 

Pflegeberater ohne Zertifizierung, also auch ohne Weiterbildung, kann jeder werden – das bedeutet aber nicht, dass der Beruf auch für jeden geeignet ist. Denn für diesen Job musst du einige persönliche Voraussetzungen mitbringen, die dir im täglichen Umgang mit Pflegebedürftigen und deren Angehörigen auf keinen Fall fehlen sollten. Dazu gehören zum Beispiel diese Charaktereigenschaften: 

  • Einfühlungsvermögen: Du arbeitest regelmäßig mit Menschen zusammen, die sich in einer schwierigen und belastenden Situation befinden und solltest auf sie und ihre Sorgen und Bedürfnisse eingehen können. 
  • Psychische Belastbarkeit: Du wirst mit vielen schweren Schicksalen konfrontiert werden und solltest dich davon nicht aus der Bahn werfen lassen.
  • Kommunikationsfähigkeit: Du musst in der Lage sein, theoretisches und oft auch kompliziertes Wissen verständlich an Fachfremde zu vermitteln.
  • Wissbegierde: Du musst dich durch Fortbildungen in Eigeninitiative ständig auf dem neusten Stand halten.
  • Organisationstalent: Als Pflegeberater kommt nicht nur viel soziale Arbeit auf dich zu, sondern auch eine Menge Papierkram. 
  • Analytische Fähigkeiten: Du solltest auch in schwierigen Situationen einen klaren Kopf bewahren und Situationen neutral und realistisch bewerten können.

Was kannst du als Pflegeberater verdienen?

Die Verdienstmöglichkeiten in der Pflegeberatung sind sehr unterschiedlich. Wie viel du verdienst, hängt unter anderem davon ab, ob du in der Pflege angestellt oder selbständig bist. In Festanstellung kannst du mit einem Gehalt von etwa 2.500 – 3.500 € brutto pro Monat rechnen. Als Selbständiger kann das deutlich mehr oder auch weniger sein. Achtung: Wenn du selbständig bist, hast du jedoch auch viel höhere Ausgaben, zum Beispiel für Versicherungen oder die Anmietung eines Büros.  

Gehalt Pflegeberater

Bruttogehalt pro Monat in Festanstellung

Das Gehalt liegt zwischen

2.500 € und 3.500 € pro Monat

Der Beruf des Pflegeberaters ist abwechslungsreich, herausfordernd und kann sehr erfüllend sein. Du kannst in diesem Job das Leben vieler Menschen zum Positiven verändern und sie in schwierigen Phasen ihres Lebens unterstützen. Dabei solltest du die Arbeit jedoch nicht unterschätzen. Es wird immer wieder schwierige Momente geben, die dich mental beeinflussen können. Wie bei jedem anderen Job auch kannst du hier mit der falschen Einstellung schnell an deine Grenzen kommen. Überlege dir also gut, ob der Beruf zu dir passt und sammle auf jeden Fall schon ein paar Erfahrungen im Pflegebereich – dann kannst du dir auch sicher sein, dass du dich richtig entschieden hast!


Häufige Fragen 🔍
Was macht ein Pflegeberater?

Pflegeberater beraten pflegebedürftige Menschen oder deren Angehörige, die sich um die Pflege kümmern. Sie arbeiten beispielsweise bei Krankenhkassen, Beratungsstellen, Sozialämtern, Pflegediensten oder in in Krankenhäusern im Entlassungsmanagement.


Wie werde ich Pflegeberater?

Die Berufsbezeichnung des Pflegeberaters bzw. der Pflegeberaterin ist nicht geschützt – das macht es für Pflegebedürftige oder Angehörige nicht gerade einfach, eine qualifizierte Fachkraft zu identifizieren. Um dich von anderen Anbietern abzuheben, kannst du aber den Titel eines Zertifizierten Pflegeberaters erlangen. Dazu solltest du eine entsprechende Weiterbildung machen, die vom GKV-Spitzenverband anerkannt ist.