Resilienz lernen Pflegekraft

Verfasst von Elisabeth Felde. Veröffentlicht am 09.09.2020.

Was ist Resilienz und warum ist sie wichtig?

Und: Kann man Resilienz erlernen?

Das Leben wird oft vom Schicksal bestimmt. Häufig kommt ein negatives Ereignis wie aus dem Nichts und im nächsten Moment fühlt sich hoffnungs-, antriebs- und hilflos. Solche Veränderungen belasten die Psyche und lösen inneren Stress aus. Nicht jeder kommt damit gleichermaßen zurecht: Während die einen sich nach ein paar Wochen erholt haben, indem sie eine Arbeitspause, mehr Schlaf und Entspannung in ihren Alltag integriert haben, können andere ihre neuen Lebensumstände kaum managen. Sie leiden vor allem psychisch und müssen im Extremfall eine Psychotherapie in Anspruch nehmen. Einige werden jedoch auch psychisch krank, ohne ihre Belastung als Krankheit wahrzunehmen: Burn Out und Depressionen sind heutzutage besonders unter Pflegekräften weit verbreitet. Resilienz, die Fähigkeit, Dinge im Leben hinzunehmen wie sie kommen, kann Menschen helfen, besser mit psychischen Belastungen umzugehen. Wir fragen uns: Kann man Resilienz lernen?

Resilient sein – Was bedeutet das genau?

Resilienz beschreibt die psychische Widerstandskraft einer Person gegenüber schwierigen Lebenssituationen. Dabei ist die Fähigkeit, gewisse Dinge im Leben hinzunehmen wie sie sind bzw. durch Zurückgreifen auf persönliche und soziale Ressourcen Umgang damit zu finden, ausschlaggebend.

Resilient sein bedeutet demzufolge, dass man durch einen Rückschlag oder in einer stressigen Phase nicht in Depressionen, Angstzustände und -gefühle, eine Sucht oder andere Krankheit rutscht sondern durch die Situation wächst.

Auf neuronaler Ebene bedeutet das, dass das Belohnungssystem auch in stressigen Situationen aktiviert werden kann und der Glaube daran, selbst etwas Positives bewirken zu können in den Vordergrund rückt. Das meint allerdings nicht, dass bestimmte Situationen verharmlost werden. Die Annahme, dass Komplikationen zum Leben dazugehören, bleibt erhalten. Forscher bezeichnen die Resilienz als eine „geheimnisvolle Kraft“.

Nicht jeder Mensch ist resilienzfähig. Einige besitzen mehr, andere weniger davon. Aber woran lässt sich das messen?

7 Säulen der Resilienz

Wie stark und ob die Resilienz in einem Menschen ausgeprägt ist, lässt sich an bestimmten Resilienzfaktoren absehen. Beispielsweise gibt es die sieben Säulen der Resilienz. Je mehr oder stärker die darin beschriebenen Eigenschaften auf eine Person zutreffen, umso resilienter ist sie. Folgende Säulen werden betrachtet:

  1. Selbstbewusstsein statt Selbstmitleid. Das bedeutet, dass sehr lösungsorientiert ist und Lösungswege durchgeht, eine Krise zu meistern, anstatt mit Hoffnungslosigkeit und Passivität zu reagieren. Es wird auch als „Selbstwirksamkeitserwartung“ bezeichnet.
  2. Kontaktfreude anstelle von sozialer Isolation. Hierbei holt sich der Betroffene Hilfe von Außenstehenden, sprich von Freund*innen, Familie oder professionelle Hilfe eines Therapeut*innen. Auch dieser Punkt hat mit Aktivität zu tun, da man bewusst und aktiv nach Hilfe sucht.
  3. Man ist bei Stress belastbar und kann die eigenen Emotionen kontrollieren. Stress wird nicht als Krise sondern als Herausforderung angesehen.
  4. Optimismus ist eines der wichtigsten Eigenschaften. Man sieht sich nicht in der Opferrolle, sondern als "eigene*r" Kämpfer*in und Retter*in. 
  5. Man handelt kontrolliert und gewissenhaft durch rationales Denken.
  6. Optimismus meint trotzdem, dass man realistisch ist und die Zukunft im Blick hat, also zukunftsorientiert denkt. Das Verdrängen von Problemen geschieht dabei nicht.
  7. Sinnvolles Analysieren: Fehler werden als Chance zur Besserung angesehen. Außerdem denkt man nicht an die schlimmsten Ereignisse, die eintreten könnten sondern entwickelt Lösungswege zur Besserung der Situation.

Resilienz wird demnach erst nach oder während einer Krise ersichtlich. Dann sieht man wie leicht oder schwer es gefallen ist, eine Situation zu bewältigen.

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Was beeinflusst die Resilienz?

Forschungen haben ergeben, dass Menschen, die in ihrer Kindheit mindestens Bindung zu einer verlässlichen Bezugsperson hatten, durch die sie Anerkennung und Wertschätzung erfahren, sowie Vertrauen zu ihr aufbauen konnten, besser mit Lebenskrisen umgehen, als solche, die oft enttäuscht worden sind, keine starken Beziehungen zu anderen Menschen oder soziale Probleme hatten. Außerdem ist die Resilienzfähigkeit bei Leuten, die in ihrer Kindheit mitbekommen haben, dass es für jede Krise Lösungen gibt, anstatt aufzugeben und unglücklich mit der Situation zu sein, stärker ausgeprägt. Auch Vorbilder stärken die Resilienz-Ausprägung. Häufig handelt es sich dabei um Persönlichkeiten, die in ihrem Leben hohe Ziele erreicht haben, auch wenn der Weg dorthin nicht einfach gewesen ist. 

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Aus Liebe zu sich selbst: Resilienz erlernen?

Was ist zu tun, wenn man merkt, dass einen schwierige Situationen und Krisen ungewöhnlich lange beschäftigen und vermehrt negativen Einfluss auf das eigene Wohlbefinden nehmen? Wie können Personen, die in ihrer Kindheit wenig Liebe, Empathie und Zuversicht erfahren haben ihre Psyche "trainieren", um Resilienz zu lernen oder zu stärken?

Der Gesamtprozess ist langfristig zu betrachten. Psycholog*innen raten davon ab, spezielle Resilienz-Seminare zu besuchen. Es handelt sich eher um einen Learning-By-Doing-Prozess.

Zunächst sollte man reflektieren wie man bislang mit schwierigen Lebensphasen umgegangen ist: Bin ich allein zurechtgekommen? Habe ich mich getraut, mir Hilfe zu holen? Konnte ich weiterhin meinen Job ausführen? Musste ich deswegen zum Arzt oder zu einer Ärztin oder Medikamente einnehmen? Habe ich in der Zeit weniger mit Freund*innen und Bekannten unternommen und mich zurückgezogen? Anschließend kann betrachtet werden, wie das Leben aktuell verläuft. Dabei stellt sich die Frage, ob man insgesamt zufrieden ist und nur durch Kleinigkeiten im Alltag belastet wird oder ob es sich um eine besondere Phase handelt (z.B. ist eine nahstehende Person verstorben). Diese Fragen kann man sich immer dann stellen, wenn man plötzlich viele Dinge im Leben hinterfragt und sich nicht wohl fühlt in der aktuellen Lebenssituation. Folgende Punkte helfen, um eine stabile psychische Grundlage zu haben:

  1. Akzeptanz: Es gibt Situationen, die sich nicht ändern lassen können. Es ist nicht einfach, das so hinzunehmen. Ständiges Grübeln und Hinterfragen der Situation, bringt einen nicht weiter. Akzeptanz hingegen führt dazu, über alternative Lösungen nachzudenken und inneren Stress zu lindern.
  2. Glaube: „Ich schaffe das nicht“, „ich bin nicht stark genug“ – Nein! Diese Gedanken soll es nicht mehr geben. Anstatt sich selbst fertig zu machen, sollte man positiv denken, sich gut zureden und daran glauben, dass man es die Aufgabe schaffen oder die Situation meistern kann.
  3. Achtsamkeit: Trotzdem sollte man es nicht überstürzen. Es ist wichtig, realistisch einzuordnen, zu was man psychisch und physisch in der Lage ist. Zu viele Punkte, die man auf einmal bearbeiten möchte, sorgen für Überforderung.
     

Schwierige Situationen im Leben kommen oft vor und lassen sich leider nicht vermeiden. Resilienz beschreibt eine Umgangsart eines Menschen gegenüber einer Krise, die viel mit Selbstliebe und Achtsamkeit zu tun hat. Wer nicht nur anderen Menschen, sondern auch sich selbst vergeben kann, wer das Beste aus einer schwierigen Phase entnehmen und lösungsorientiert denken kann, erspart sich viel Stress. Manche Personen können das besser, andere nicht so gut. Sich Resilienz in einem Kurz-Seminar anzutrainieren funktioniert vermutlich nicht. Es ist ein langfristiger Prozess – befolgt man entscheidende Punkte, die das Denken und Handeln im positiven Sinne beeinflussen, lässt sich Resilienz jedoch Stück für Stück erlernen.