Ein Team aus Pflegekräften steht in einem Kreis

Verfasst von Laura Hörner. 

Supervision in der Pflege: Coaching für Pflegekräfte

Was ist Supervision und welche Ziele hat sie?

Fast jeder, der in der Pflege arbeitet, kommt irgendwann einmal an seine Grenzen. Das kann ganz plötzlich passieren oder sich langsam immer weiter aufbauen, bis der berüchtigte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt. Gerade weil der Job so psychisch und physisch fordernd ist, ist es besonders wichtig, sich selbst und seine Bedürfnisse zu kennen und gut mit Konflikten umgehen zu können. Weil das – besonders wenn man gerade in einer schwierigen oder belastenden Situation steckt – gar nicht so einfach ist, gibt es in der Pflege die sogenannte Supervision. Was genau man darunter versteht, welche Ziele Supervision verfolgt und wie du davon profitieren kannst, erfährst du hier!

Definition Supervision: Ziele & Grenzen

Wer sich ein Bein bricht, der geht zum Arzt oder zur Ärztin, und wer eine psychische Krankheit wie eine Depression oder eine Angststörung hat, der besucht einen Psychiater oder eine Psychiaterin. Doch was tun Menschen, die keine psychologische Behandlung benötigen, sich aber dennoch im Arbeitsalltag überfordert oder frustriert fühlen? Oder solche, die beruflich feststecken und nicht wissen, wie sie sich weiterentwickeln sollen?

Für diese Menschen ist ein Supervisor oder eine Supervisorin da: Diese helfen Pflegekräften dabei, schwierige Situationen bei der Arbeit zu verbessern und mit einem anderen Blick auf belastende Situationen zu sehen. Wichtig ist dabei zu wissen, dass Supervision und Psychotherapie nicht dasselbe sind. Supervisoren haben nicht immer eine Ausbildung zum Psychotherapeuten, sondern eine Supervisorenausbildung absolviert. Obwohl auch bei der Supervision Psychologie natürlich eine große Rolle spielt, kann ein Supervisor oder eine Supervisorin keine psychologische Behandlung durchführen. Stattdessen stehen sie beratend zur Seite, geben Impulse und helfen dabei, innere und äußere Konflikte zu lösen. Mögliche Ziele der Supervision können zum Beispiel sein:

  • Eine bessere Teamdynamik oder eine bessere Arbeitsatmosphäre schaffen
  • Konflikte lösen
  • Die beruflichen Kompetenzen der Supervisanden stärken
  • Die Arbeit und die Rolle der Mitarbeiter:innen reflektieren
  • Die Arbeitsqualität verbessern
  • Neue Lernprozesse anregen

Je nach Fall und Ziel kann Supervision der Mediation (also der Streitschlichtung) sehr ähnlich sein – aber auch Supervision und Coaching haben oftmals große Ähnlichkeiten. Es sollte beachtet werden, dass eine Supervision die Therapie durch eine:n Psychotherapeut:in nicht ersetzen kann – ein:e gute:r Supervisor:in merkt, wenn besser ein:e Psychotherapeut:in hinzugezogen werden sollte und weist seine Supervisanden darauf hin.

Die Gesundheit der Mitarbeiter*innen als höchstes Gut

Finde heraus, was verschiedene Arbeitgeber ihren Pflegekräften anbieten.

→ Arbeitgeber in der Übersicht

 

Allein oder im Team: Diese Supervisionen sind in der Pflege möglich 

Eine Supervision kann in unterschiedlichen Konstellationen geschehen: etwa in einer Teamsupervision oder Gruppensupervision, in welcher mehrere Teilnehmer:innen, auch Supervisanden genannt, gemeinsam über ihre Arbeit sowie ihre Probleme und Wünsche sprechen. Möglich ist natürlich auch eine Einzelsupervision, bei welcher nur eine einzelne Person betreut wird. Meist erfolgt die Sitzung in der Pflegeeinrichtung, jedoch ist es zum Beispiel auch möglich, eine Online-Supervision durchzuführen. Die Supervision in der Pflege gehört zur Arbeitszeit: Die Sitzung wird also bezahlt und die Pflegekräfte müssen dafür nicht ihre Freizeit opfern.

Supervisionen sind über alle Hierarchieebenen möglich: Sie helfen Teamleiter:innen und Mitgliedern der Chefetage genauso wie Pflegekräften und Hilfskräften. Je nach Job sind die Thematiken aber oft sehr unterschiedlich.

Systemische Supervision und Fallsupervision

Neben der Einzel-, der Team- und der Gruppensupervision gibt es noch weitere Begriffe, die in diesem Kontext relevant sind: Zum Beispiel die systemische Supervision und die Fallsupervision. Ein systemischer Supervisor versucht, die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Individuen untereinander, aber beispielsweise auch mit der Einrichtung zu betrachten. Er möchte ein möglichst ganzheitliches Bild der Situation, des „Systems“, schaffen und damit arbeiten. 

Bei der Fallsupervision geht es darum, einen bestimmten Fall in Supervisionsgruppen zu besprechen. Jede:r der Teilnehmer:innen kann so etwas zur Lösung des Problems beitragen und der Fall kann sehr intensiv besprochen und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden.  
 

So läuft eine Supervision in der Pflege ab

Einen festen Ablauf gibt es in einer Sitzung meist nicht. Wie genau vorgegangen wird, hängt ganz vom Ziel der Supervision ab und in der Regel entwickelt sich das Vorgehen oder das Gespräch ganz von selbst. Dennoch lassen sich ein paar grundlegende Punkte zur Vorgehensweise der Supervision festlegen:

Der Beginn der Sitzung

In der Regel geht es zunächst darum, ein Problem zu identifizieren. Zudem wird darüber gesprochen, wie der Erfolg der Beratung gemessen werden kann: Woran erkennt man, dass das Problem gelöst ist? Selbstverständlich kann die Person selbst auch Wünsche äußern – zum Beispiel darüber, was er oder sie sich von der Supervision erhofft und welche konkreten Maßnahmen sie sich wünscht.

Die Fallbesprechung und Lösungsansätze

Anschließend folgt ein intensiveres Gespräch über den Fall. Der oder die Supervisor:in wird dabei konkrete Rückfragen stellen, um den Sachverhalt und die Dynamiken genau zu verstehen. Sind alle Details geklärt, geht es darum, die Situation genauer zu betrachten. Dazu können zum Beispiel Hypothesen aufgestellt werden: also bestimmte Annahmen, die es dann zu bestätigen oder widerlegen gilt. Auch Methoden wie Rollenspiele können zum Einsatz kommen.

Der wohl wichtigste Teil der Supervision ist die Entwicklung von Lösungsansätzen. Hier stößt man in der Supervision häufig auf ein Missverständnis: Viele Supervisanden erwarten, dass die Supervisor:innen ihnen eine Lösung für ihr Problem präsentieren. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Ziel ist es, dass Supervisand selbst seine Probleme reflektiert und eine Lösung erarbeitet. Der Supervisor oder die Supervisorin gibt lediglich Impulse und „schubst“ den Supervisanden sozusagen in die richtige Richtung.

Der Abschluss der Supervision

Zuletzt geht es darum, die Erkenntnisse aus der Supervision zu reflektieren, Schlüsse zu ziehen, aber auch festzustellen, was in Zukunft an der Sitzung noch verbessert werden könnte.

Wie verbreitet ist Supervision in der Pflege?

Das Gespräch mit einer Supervisorin oder einem Supervisor kann einen großen Mehrwert für Mitarbeiter:innen darstellen – so kann es zum Beispiel eine mögliche Kündigung abwenden, die Motivation steigern oder die Arbeitsqualität verbessern. Von all diesen positiven Aspekten profitieren auch Pflegeeinrichtungen. Dennoch ist Supervision in der Pflege noch nicht besonders verbreitet – auch wenn sich laut Studien viele Pflegekräfte ein solches Angebot wünschen würden. 

Gründe dafür sind zum einen die Kosten, die dadurch entstehen – einerseits durch die Bezahlung der Supervisor:innen, andererseits durch die ausfallende Arbeitszeit. Zudem sorgt Personalmangel oft dazu, dass vor allem eine Teamsupervision zeitlich nur schwer umsetzbar ist.

Supervisionskosten: Das kostet eine Stunde

Entscheidet sich eine Pflegeeinrichtung dafür, eine Supervision anzubieten, muss sie natürlich zunächst einmal eine Supervisorin oder einen Supervisor finden, die oder der im besten Fall über eine DGSv Zertifizierung verfügt, also eine Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Supervision und Coaching. Diese sind oftmals selbständig und arbeiten nach einem bestimmten Stundensatz. Was eine Supervision kosten kann, hängt vom Anbieter ab, manchmal wird auch die Gruppengröße und der Anfahrtsweg beim Stundensatz der Supervision berücksichtigt. In der Regel kann man mit 100 – 160 € pro Stunde rechnen. 

 

Supervision in der Pflege kann einen großen Unterschied machen und ist eine hervorragende Möglichkeit, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu verbessern – und alles, was damit einhergeht. Leider ist das Angebot noch nicht so verbreitet, obwohl sowohl Pflegekräfte als auch die Einrichtungen selbst davon profitieren könnten. Wir hoffen, dass in Zukunft mehr Pflegeeinrichtungen ihren Mitarbeiter:innen diese Möglichkeit bieten.

Kreszentia Stift
undefined

Kreszentia Stift

Was bietet dir Kreszentia-Stift als Arbeitgeber?