Eine junge Pflegerin zeigt einer älteren Frau etwas in einem Buch.

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 08.11.2021.

Weiterbildung Demenz: Ablauf, Voraussetzungen und Möglichkeiten

So gelingt der Einstieg in die Arbeit mit Demenzkranken

Wenn Menschen an Demenz erkranken, dann werden sie wieder zum Kind – das sagen zumindest viele, die sich mit Demenzkranken beschäftigen. Sie sind nicht mehr so selbständig wie zuvor, sie haben andere Bedürfnisse und auch mental richten sie sich oft an der Vergangenheit aus. Für Pflegekräfte bergen Demenzerkrankungen ganz besondere Herausforderungen. Denn wenn die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist, ist eine Behandlung auf Augenhöhe oft nicht mehr möglich. Um den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten dennoch gerecht zu werden, Situationen besser einschätzen zu können und eine bessere Kommunikation zu ermöglichen, lohnt sich eine Fort- oder Weiterbildung in diesem Bereich. Hier erfährst du alles zu den Voraussetzungen und dem Ablauf.

Demenz-WG oder Pflegeheim: Das sind deine Einsatzorte

Die Alterung der Bevölkerung sorgt dafür, dass es immer mehr Demenzkranke in Deutschland gibt. Die häufigste Erkrankung ist dabei Alzheimer, in dessen Verlauf die Nervenzellen im Gehirn absterben. Eine Demenzerkrankung entsteht nicht über Nacht, sondern beginnt meist schleichend und verschlimmert sich über einen längeren Zeitraum. Nicht immer ist deshalb bei Demenz ein Pflegeheim die einzige Möglichkeit der Betreuung. Im Anfangsstadium werden Demenzkranke oft von Angehörigen zu Hause gepflegt. Ist die Krankheit fortgeschritten und wird die Pflege für die Angehörigen zu umfangreich und belastend, gibt es mehrere Möglichkeiten für die Betreuung:

Die Dementen-WG

In einer Demenz-Wohngruppe leben mehrere Demenzkranke zusammen in einer Wohngemeinschaft. Unterstützt werden sie dabei in der Organisation und der Versorgung von ihren Angehörigen. Der Vorteil: Hier bestimmen die Bewohner selbst die Regeln, suchen sich die Mitbewohner gemeinsam aus und beauftragen selbst einen Pflegedienst, der sich um die pflegerischen Aspekte kümmert. Leben Pflegebedürftige in der Pflege-WG, gibt es außerdem die Möglichkeit für einen einmaligen sowie einen zusätzlich monatlichen Zuschuss durch die Pflegeversicherung.

Als Pflegekraft kannst du in einer solchen Demenz-Wohngemeinschaft arbeiten: Entweder als Präsenzkraft, die in der Pflege-WG lebt (dafür musst du nicht unbedingt eine ausgebildete Pflegekraft sein), oder als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter in einem ambulanten Pflegedienst, welcher rund um die Uhr für die Bewohnerinnen und Bewohner da ist.

Das Pflegeheim für Demenzkranke 

Nicht alle Demenzkranken haben Angehörige, die sich um die Unterbringung in einer Demenz-Wohngruppe kümmern können oder ausreichende finanzielle oder zeitliche Ressourcen dafür haben. In solch einem Fall werden die Patientinnen und Patienten in einem Pflegeheim untergebracht. Sowohl herkömmliche Pflegeeinrichtungen mit Demenzstation als auch spezielle Pflegeheime für Demenzkranke bieten diese Möglichkeit. Auch hier kannst du als Pflegekraft, als Demenzbetreuer:in oder als Berater:in arbeiten und dich um die Bewohnerinnen und Bewohner kümmern.

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Betreuer oder examinierte Pflegekraft – diese Weiterbildungen gibt es

Die Arbeit mit Demenzkranken ist genau das Richtige für dich? Dann solltest du darüber nachdenken, eine entsprechende Aus- oder Weiterbildung für Demenz zu absolvieren, um einerseits deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt und andererseits deine Fähigkeit im Umgang mit den Betroffenen zu verbessern. 

Um deine Kenntnisse zu vertiefen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Zunächst einmal kannst du an einer einfachen Weiterbildung teilnehmen, für welche keine speziellen Vorkenntnisse benötigt werden. Diese Angebote nehmen vor allem pflegende Angehörige wahr. 

Möchtest du dich hingegen zur Betreuungskraft nach § 87 ausbilden lassen, kannst du nach deiner Weiterbildung in einem Pflegeheim für Demenz oder bei einem ambulanten Pflegedienst arbeiten und die examinierten Pflegekräfte unterstützen. Du übernimmst in dieser Position einfache Tätigkeiten, um die Pflegekräfte zu entlasten, und beschäftigst dich mit den Demenzkranken, indem du zum Beispiel mit ihnen malst, bastelst, spazieren gehst oder sie zu Arztbesuchen begleitest – also Betreuungs- und Aktivierungsmaßnahmen übernimmst.

Auch als examinierte Pflegekraft kannst du eine Fortbildung für Demenz wahrnehmen und dich so in diese Richtung spezialisieren. Besonders bietet sich hierfür eine Weiterbildung zur Demenzfachkraft oder zum Fachberater für Menschen mit Demenz an. Im Anschluss daran kannst du nicht nur weiterhin in der Pflege arbeiten, sondern auch eine Beratungsfunktion in Pflegeheimen für Demenz oder in Kliniken einnehmen. 

Weiterbildung Demenz: Diese Inhalte erwarten dich 

Die Weiterbildung für Demenz ist nicht einheitlich aufgebaut. So gibt es zahlreiche Angebote, welche von eintägigen Lehrgängen bis hin zu langen Weiterbildungen gehen, welche bis zu einem halben Jahr dauern können. Auch ob die Fortbildung für Demenz in Teilzeit, Vollzeit, am Abend oder am Wochenende stattfindet, hängt ganz vom Anbieter ab. Längere Weiterbildungen bestehen in der Regel aus einem Theorie- und Praxisteil, um eine möglichst umfangreiche Ausbildung zu ermöglichen.

Am besten suchst du dir also eine Weiterbildung heraus, welche zu deiner aktuellen Situation passt. Möchtest du eine Fortbildung zum Betreuer besuchen, solltest du darauf achten, dass diese den Zusatz „nach § 87b“ enthält, um eine Anerkennung und qualitative Inhalte sicherzustellen. 

Je nach Umfang der Weiterbildung werden auch unterschiedliche Inhalte angeboten. In der Regel finden sich aber folgende Themengebiete in der ein oder anderen Form wieder:

  • Die unterschiedlichen Demenzerkrankungen und ihre Symptome und Ausprägungen

  • Andere Alterserkrankungen, welche zusätzlich auftreten können

  • Das Erkennen und Interpretieren von Symptomen

  • Die Pflege und Pflegedokumentation

  • Alltagsgestaltung und Aktivierungsmaßnahmen

  • Die Verbesserung der Gehirnleistung und der körperlichen Wahrnehmung

  • Individuelle Förderung der Erkrankten

  • Rechtliche Hintergründe

  • Kommunikation

  • Ethische Fragen rund um die Erkrankung


Bist du eine examinierte Pflegekraft und absolvierst eine Weiterbildung, welche dich für die Beratung qualifiziert, beinhalten die Kurse in der Regel zusätzlich auch folgende Themenbereiche:

  • Konzeptentwicklung für die Pflege

  • Konfliktmanagement 

  • Fallbesprechung

  • Schnittstellenmanagement zwischen Pflegekräften, Einrichtungen, Angehörigen und Ärzten

  • Beratung und Coaching


Wer kann eine Weiterbildung für Demenz machen? Diese Voraussetzungen brauchst du

Möchtest du in einem Pflegeheim für Demenzkranke, in einer Demenz-Wohngruppe oder bei einem ambulanten Pflegedienst arbeiten, dann solltest du gewisse Voraussetzungen mitbringen. Für eine Weiterbildung zur Betreuungskraft solltest du mindestens 18 Jahre alt sein und ein mindestens fünftägiges Orientierungspraktikum abgeschlossen haben. Möchtest du dich zur Demenzfachkraft weiterbilden lassen oder eine Beratungsfunktion einnehmen, solltest du eine abgeschlossene Pflegeausbildung (zum Beispiel als Altenpfleger oder Gesundheits- und Krankenpfleger) sowie erste Berufserfahrungen mitbringen.

Doch nicht nur die formellen Voraussetzungen sollten für eine Weiterbildung in der Demenz stimmen. Auch deine Persönlichkeit und zwischenmenschlichen Fähigkeiten sollten zu dieser Arbeit passen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Empathie: Du solltest dich in die Pflegebedürftigen hineinversetzen und ihre Wünsche und Situation verstehen können.

  • Geduld: Mit geistig beeinträchtigten Menschen zu arbeiten, kann ganz schön anstrengend sein. Du solltest also eine hohe Frustrationstoleranz haben.

  • Kommunikationsfähigkeit: Nicht nur mit den Demenzkranken solltest du einen angemessenen Gesprächston finden und die richtigen Kommunikationstechniken anwenden können – auch mit den Angehörigen, welche sich oftmals aufgrund der Erkrankung des Familienmitglieds in einer Ausnahmesituation befinden, solltest du gut umgehen können.

  • Belastbarkeit: Wie alle Pflegeberufe kann die Arbeit in einem Demenz-Pflegeheim sowohl psychisch als auch körperlich belastend sein. Du solltest also körperlich fit und geistig resilient sein und auch mit schwierigen und traurigen Situationen zurechtkommen können.

  • Organisationstalent: Möchtest du eine Beratungsfunktion einnehmen, solltest du außerdem gut organisieren können und über eine gute Auffassungsgabe verfügen.


Die Arbeit mit Demenzkranken erfordert zwar fachliche Kenntnisse, der Schwerpunkt liegt aber auf den persönlichen Voraussetzungen, die du als Demenzbetreuer oder -betreuerin unbedingt mitbringen solltest. Mithilfe einer Weiterbildung für Demenz kannst du deine Kenntnisse vertiefen und so ein besseres Verständnis für das Krankheitsbild und die Bedürfnisse der Betroffenen erlangen. Alles in allem ist die Arbeit mit Demenzkranken sehr erfüllend: Du sorgst dafür, dass die Menschen auch im Alter und trotz Gedächtnisverlusts einen angenehmen Alltag ohne zu viele Einschränkungen erleben können, und kümmerst dich nicht nur um das körperliche, sondern auch um das geistige Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten.