Eine Frau mit geschlossenen Augen, die das Gesicht auf die Hände stützt

Verfasst von Inga Beißwänger. 

Achtsamkeit in der Pflege – 4 Übungen für mehr Gelassenheit im Alltag

Wie du Achtsamkeit in den Pflegealltag bringst

Das Buzzword Achtsamkeit ist in vieler Munde. Doch weißt du, was es bedeutet und was es dir bringen kann – vor allem für deine Arbeit in der Pflege? Wir geben dir Tipps und Übungen für mehr Achtsamkeit im Alltag, mit denen du von Autopilot auf Bewusstheit umschaltest. 

Schon seit einigen Jahren ein Buzzword: Achtsamkeit. Sicherlich ist es dir auch schon mal begegnet. Doch hast du dich schon mal gefragt, was es bedeutet? Ganz besonders für dich und bei deiner Arbeit in der Pflege?
Wenn du dich öfters in einem Zustand wiederfindest, in dem so manches im Pflegealltag schief geht und dir die ersehnte Ruhe und innere Zufriedenheit durch die Finger zu gleiten scheinen – dann könnte das Konzept der Achtsamkeit dir helfen.

Definition Achtsamkeit

Das Konzept der Achtsamkeit ist nicht neu, sondern im Gegenteil in Fernost schon lange verbreitet. Eine Wurzel ist die buddhistische Lehre und Meditationspraxis. Nicht immer kann es klar gefasst werden; auch in unserer westlichen Welt gibt unterschiedliche Definitionen von Achtsamkeit. Für den US-amerikanischen Molekularbiologen und Achtsamkeitstrainer Jon Kabat-Zinn, der das Konzept aus der fernöstlichen in die westliche Welt brachte, ist Achtsamkeit (engl. Mindfulness) ein bestimmter Zustand  der Aufmerksamkeit, die

  • absichtsvoll ist,
  • sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht und
  • nicht wertet.

Dabei ist der Geist (englisch „Mind“) wachsam und nimmt wahr, was gerade geschieht – und vor allem auch, welche Gedanken im Kopf umherschwirren.

Wenn die Gedanken Karussell fahren

Das Gegenteil von Achtsamkeit ist, sozusagen auf Autopilot durch die Welt und das Leben zu gehen: Wir denken, arbeiten, essen, fahren Auto oder Rad, ohne uns bewusst zu sein, was wir tun und wie wir es tun. Vor allem die Gedanken kreisen ständig und beschäftigen sich mit der Vergangenheit oder der Zukunft statt mit dem gegenwärtigen Moment. „Habe ich das Licht ausgeschaltet, als ich vorhin die Wohnung verlassen habe?“ „Nach der Arbeit muss ich einkaufen gehen. Was soll ich nur kochen?“ – Sicherlich kennst du solche Gedanken wie diese zur Genüge. 

Auch bei der Arbeit in der Pflege kann es vorkommen, dass du gedanklich ganz woanders bist als zum Beispiel dabei, die Medikamente vorzubereiten oder einen Verband zu wechseln. 

Was ist daran so ungünstig?

Nun, wenn du mit den Gedanken woanders als im Hier und Jetzt bist, können sich leichter Fehler einschleichen. Außerdem bist du vielleicht weniger empathisch deinen Klienten gegenüber, weil deine Aufmerksamkeit nicht bei ihnen ist. Auch für dich selbst kann das ständige Gedankenkarussell von Nachteil sein. Das merkst du spätestens, wenn du im Bett liegst und deshalb nicht zur Ruhe kommst. Schlechter Schlaf wirkt sich wiederum negativ auf deine Arbeit in der Pflege aus.

Mehr Achtsamkeit im Alltag kann also sowohl in der Pflege als auch für dein persönliches Wohlgefühl hilfreich sein. Mit regelmäßigem Üben und den richtigen Tipps kannst du die Fähigkeit, deine Aufmerksamkeit voll und ganz auf den gegenwärtigen Moment zu richten, erlernen. 

In Gedanken schon beim nächsten Arbeitgeber?

Achtsamkeit für deinen Alltag

Hier ein paar kleine Achtsamkeitsübungen für den Alltag – damit kannst du bei der Arbeit in der Pflege und darüber hinaus deine Achtsamkeit trainieren: 

  • Wähle eine regelmäßige Routinetätigkeit, etwa Zähneputzen, Händewaschen oder Kaffeetrinken. Entscheide, diese eine Woche lang mit deiner vollen Aufmerksamkeit durchzuführen. Wenn du gedanklich abschweifst, nehme dies frei, ohne zu werten und lenke deine Aufmerksamkeit wieder auf den gegenwärtigen Moment.
  • Der Atem unterstützt dich dabei, wieder zu dir zu kommen. Wann immer möglich – etwa auf dem Weg zur Arbeit – kannst du eine kleine Atemmeditation durchführen: Lege dabei wenn möglich deine Hände auf den Bauch. Atme durch die Nase ein und aus. Konzentriere dich dabei voll auf deinen Atem und darauf, welche Bewegungen er in deinem Körper auslöst. Nimm wahr, wie der Atem gerade ist – auch wieder ohne zu werten oder gar etwas verändern zu wollen.
  • Auch Bewegung ist hilfreich, um im gegenwärtigen Moment und dem Körper anzukommen. Lege also wann immer es geht eine kleine Bewegungseinheit ein, etwa ein Stretching, Schulterkreisen oder den Hampelmann. Nehme dabei wahr, was sich in deinem Körper und deinen Gedanken tut. 

Hast du schon mal auf diese Weise eine Rosine gegessen?

Die Rosinenübung wird in vielen Achtsamkeitskursen gelehrt. Bei ihr geht es darum, alle Sinne zu aktivieren und im Hier und Jetzt zu sein. Nimm dir dafür etwas mehr Zeit – etwa 10 Minuten. Sorge außerdem für eine ruhige Umgebung.  Du brauchst dafür eine Rosine. Alternativ geht auch ein anderes Stück Obst. 

  • Betrachte die Rosine, als hättest du noch nie eine gesehen. 
  • Betaste die Rosine von allen Seiten und erforsche ihre Oberfläche. Wie fühlt sie sich an? 
  • Rieche an der Rosine. Was nimmt deine Nase wahr?
  • Nimm die Rosine langsam in den Mund. Lass sie ruhig auf deiner Zunge liegen. Wie fühlt sie sich an? Erforsche die Rosine mit der Zunge.
  • Beiße bewusst in die Rosine und kaue langsam. Wie fühlt es sich an, wenn sich deine Zähne und Zunge bewegen? Welchen Geschmack nimmst du wahr?
  • Schlucke die Rosine herunter. Was bewegt sich wie dabei? 
  • Spüre der Übung nach. Was nimmst du jetzt wahr – im Mund und im Kopf, also deinen Gedanken? Wie fühlst du dich jetzt insgesamt? 

Mach dir Notizen zu dieser Erfahrung und wiederhole die Rosinenübung von Zeit zu Zeit. 

Regelmäßige Achtsamkeitsübungen können dir dabei helfen:

  • Stress abzubauen
  • gelassener zu werden
  • konzentrierter zu arbeiten
  • eigene Bedürfnisse kennenzulernen
  • mehr Empathie zu zeigen – für andere und vor allem auch für dich selbst!

Denn wenn du Dank Achtsamkeit immer öfter buchstäblich ganz bei dir bist, nimmst du eher wahr, was dir guttut – und was nicht. Auch wenn es bei der Achtsamkeit darum geht, den gegenwärtigen Moment so anzunehmen, wie er gerade ist, heißt das nicht, alles widerspruchslos zu akzeptieren und immer happy mit einem Grinsen auf dem Gesicht durch die Gegend zu laufen. Gemeint ist damit vielmehr, dass du nicht gleich wieder in den Tun-Modus schaltest und den gegenwärtigen Moment hektisch ändern möchtest. Oder in ein negatives Gedankenkarussell einsteigst, aus dem du nicht so schnell wieder herauskommst und das dir nicht dabei hilft, nötige Veränderungen vorzunehmen.

Positive Wirkung wissenschaftlich bestätigt 

Seit etwa den 1960er-Jahren beschäftigen sich Psychologie und Medizin im Westen mit Achtsamkeit. Deren Wirksamkeit wurde wissenschaftlich erforscht. Einer Studie der Universität Gießen zufolge bewirkt die Teilnahme an einem achtwöchigen Achtsamkeitstraining messbare Veränderungen im Gehirn. Vor allem Hirnstrukturen, die für Gedächtnis, Empathie, Selbstwahrnehmung und Stressreaktionen zuständig sind, konnten positiv beeinflusst werden. 

Achtsamkeit wirkt sich ganzheitlich aus, also sowohl auf die psychische als auch körperliche Gesundheit. So gilt inzwischen als sicher, dass Achtsamkeitstraining unter anderem das Schmerzempfinden lindert, den Blutdruck senkt und das Immunsystem stärkt.

Du willst Achtsamkeit mit Unterstützung erlernen? Viele Krankenkassen und Arbeitgeber bieten entweder eigene Trainings an oder unterstützen diese finanziell, beispielsweise das von Jon Kabat-Zinn entwickelte achtwöchige Programm MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction). Auch Meditation, Yoga, Tai-Chi und Qi-Gong sind ein tolles Achtsamkeitstraining und werden häufig gefördert. Frag einfach bei deiner Krankenkasse oder deinem Arbeitgeber nach. 

Mit etwas mehr Achtsamkeit gehst du bewusster durch den Alltag und bis bei der Arbeit in der Pflege präsenter. Sie hilft dir außerdem beim Stressabbau und macht dich gelassener. Probiere es aus! 
 

Klinikum Forchheim – Fränkische Schweiz gGmbH – Standort Ebermannstadt
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