Eine Pflegerin erklärt einem älteren Mann etwas

Verfasst von Sarah Derkaoui. 

Pflegegutachter: Alle Infos zu Weiterbildung, Beruf & Gehalt

Wie wird man Pflegegutachter:in?

Warum die Weiterbildung zum Pflegegutachter unter berufserfahrenen Pflegenden so beliebt ist? Ganz klar: Du kannst dein Fachwissen aus der Pflege-Praxis nutzen, um Patient:innen zu ihrem Recht zu verhelfen. Als Pflegesachverständiger setzt du dich z.B. dafür ein, dass  der festgelegte Pflegegrad den Bedürfnissen der Patient:innen entspricht und erstellst Pflegegutachten. Wie du Pflegegutachter werden kannst, was du in dem Beruf verdienst und alle Infos zur Weiterbildung haben wir für dich zusammengefasst.

Was macht ein Pflegegutachter?

Als Pflegegutachter bzw. Pflegesachverständige setzt du deine Expertise ein, um die Pflegebedürftigkeit von Patient:innen zu überprüfen und zu bewerten. Das kommt auf dich zu:

  • Beurteilen: Du besuchst Patient:innen in ihrem privaten Umfeld und analysierst, wie viel Hilfe die Patient:innen im Alltag benötigen. Auf dieser Grundlage bewertest du (z.B. als Pflegegutachter des MDK) die Lage, indem du anhand eines Fragenkatalogs Punkte vergibst. Darauf basierend findet anschließend die Einstufung in die Pflegegrade statt.
  • Überprüfen: Hier kommt dein Gerechtigkeitssinn ins Spiel. Als freiberuflicher Pflegesachverständiger kannst du von Privatpersonen kontaktiert werden, denen eine Neubewertung des Pflegegrads ihrer Angehörigen am Herz liegt. In diesem Fall erstellst du ein Pflegegutachten, das im Streitfall als Beweis dienen kann.
  • Qualität sichern: Bist du in Pflegeheimen oder in anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens tätig, stellst du als Gutachter sicher, dass die Pflegedienstleistungen den Qualitätsansprüchen genügen.

Weiterbildung: Inhalte, Dauer, Kosten & Voraussetzungen

Kolleg:innen schätzen dich für deine gründliche Arbeitsweise und deine Fairness – aber der Krankenhausalltag ist dir einfach zu stressig? Außerdem schreckst du nicht vor der Erstellung professioneller Gutachten zurück? Dann könnte die Weiterbildung zum Pflegegutachter sehr interessant für dich sein. Wenn du dir jetzt die Frage stellst, wie du Pflegegutachter werden kannst: Alle Antworten findest du im untenstehenden Überblick.

Inhalte der Weiterbildung zum Pflegesachverständigen

Das Ziel: Am Ende deiner Weiterbildung bist du imstande, die Pflegebedürftigkeit von Patient:innen, sowie die Qualität pflegerischer Leistungen anhand von festgelegten Kriterien zu beurteilen. Außerdem hast du die nötigen Voraussetzungen erworben, um Gutachten erstellen zu können, die z.B. vor Gericht als Beweis eingesetzt werden dürfen. 

Das lernst du:

  • Betriebswirtschaftliche und steuerrechtliche Grundlagen
  • Pflegephilosophie
  • Kriterien zur Durchführung einer Begutachtung
  • Feststellung der Pflegebedürftigkeit nach den Richtlinien des MDK
  • Gutachtenerstellung und wissenschaftliche Analyse
  • Pflegesachliche Begutachtungsinstrumente
  • Qualitätssicherung

Rechtliche und pflegefachliche Inhalte sind in jedem Fall Teil des Lehrplans. Darüber hinaus kann es zwischen den verschiedenen Anbietern kleinere Unterschiede in den behandelten Themen geben. Wir empfehlen: Sieh’ dir am besten verschiedene Angebote an.

Dauer der Weiterbildung

In der Regel kannst du die Weiterbildung zum Pflegegutachter innerhalb von 12 bis 18 Monaten abschließen. Möchtest oder kannst du in dieser Zeit nicht auf dein Gehalt verzichten, entscheide dich für einen Anbieter, bei dem du die Weiterbildung berufsbegleitend oder online im Fernstudium absolvieren kannst – denn auch das ist möglich.

Kosten einer Weiterbildung zum Pflegesachverständigen

Zuerst die gute Nachricht: Wenn du bestimmte Voraussetzungen erfüllst, übernimmt die Bundesagentur für Arbeit nach §82 SGB III ganz oder teilweise die Kosten der Weiterbildung. Gute Chancen auf eine Förderung hast du, wenn

  • du älter als 45 Jahre bist,
  • du in einem Betrieb arbeitest, der weniger als 250 Mitarbeiter hat,
  • in dem Beruf, den du durch die Weiterbildung anstrebst, Fachkräftemangel besteht. 

Weitere Infos dazu findest du auf der Website des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Je nach Anzahl der Beschäftigten in deiner Einrichtung kannst du von Zuschüssen zu den Weiterbildungskosten zwischen 15 und 100 Prozent profitieren, die Zuschüsse zum Lohn liegen zwischen 25 und 75 Prozent!

Als Selbstzahler solltest du dich auf Kosten von 2.000 - 5.000 Euro gefasst machen.

Voraussetzungen für die Weiterbildung zum Pflegegutachter

Eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem Pflegeberuf ist bei den meisten Anbietern ein Mindestkriterium. Darüber hinaus variieren die verlangten Grundvoraussetzungen je nach Anbieter und können folgendes beinhalten:

  • Ein Mindestalter von 25 Jahren
  • Eine mindestens 2-jährige Berufserfahrung
  • Der erfolgreiche Abschluss bestimmter fachlicher Weiterbildungen (etwa beim TÜV)

Abgesehen von den formalen Voraussetzungen ist es wichtig, dass du folgende Fähigkeiten mitbringst:

  • sachliche Grundhaltung
  • sorgfältige und gründliche Arbeitsweise
  • Sozialkompetenz 
  • Talent für Recherche 
  • Interesse für juristische Sachverhalte

Einsatzgebiete: Wo arbeite ich als Pflegesachverständiger?

Je nachdem, ob du freiberuflich arbeitest oder bei Einrichtungen im Gesundheitswesen fest angestellt bist, kannst du an verschiedenen Orten eingesetzt werden. Dazu zählen:

  • Das private Umfeld von Patient:innen (als unabhängiger Pflegegutachter besuchst du Menschen zu Hause, um sie in Fragen des Pflegegrads beratend zu unterstützen)
  • Krankenhäuser und Pflegeheime
  • Krankenkassen, MDK
  • Sozialgerichte
  • Unternehmensberatungen

Welche Fragen stellt man als Pflegegutachter?

Als freiberuflicher Pflegegutachter stehst du Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen bei der Bewältigung rechtlicher und formaler Fragen im Pflegealltag zur Seite. Was viele nicht wissen: Hierzulande hat jede:r Pflegebedürftige einen gesetzlichen Anspruch auf Pflegeberatung. 

Oft werden unabhängige Pflegesachverständige etwa von pflegenden Familien kontaktiert, die sich eine Neubewertung des Pflegegrads wünschen. Diesen Familien hilfst du, indem du eine begründete Einschätzung für den ihnen zustehenden Pflegegrad abgibst und die Familien auf den Begutachtungstermin durch den Medizinischen Dienst vorbereitest.

Für die Bewertung des Pflegegrads gibt es festgelegte Berechnungsregeln, an die du dich halten musst. Dafür steht dir eine Begutachtungstabelle zur Verfügung, die sechs Module enthält. Du nimmst in jedem Themenkomplex eine Gewichtung nach Punkten vor, um die Situation des Pflegebedürftigen korrekt und vollumfänglich zu bewerten. Zu diesen gehören:

  • Mobilität und Beweglichkeit
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten und psychische Problematiken
  • Fähigkeit zur Selbstversorgung
  • Selbstständiger Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen
  • Alltagsleben und soziales Umfeld

​​​​​Was verdient man als Pflegesachverständiger?

Das hängt ganz davon ab, ob du als unabhängiger Pflegesachverständiger selbstständig arbeitest oder etwa im öffentlichen Dienst tätig bist.

Laut der Bundesagentur für Arbeit kannst du als Angestellte:r im öffentlichen Dienst mit einem Gehalt zwischen etwa 3.000 und 3.500 Euro brutto rechnen.

Bist du in wirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen tätig, kann dein Einkommen je nach Arbeitsort auch etwas höher oder niedriger sein. 

Entscheidest du dich für eine freiberufliche Tätigkeit als Pflegesachverständiger, ist dein Verdienst in der Regel höher als in einer Festanstellung. Auf der anderen Seite kann dein Einkommen monatlich variieren – und du musst daran denken, dass darauf steuerliche Abgaben fällig sind!

Fazit: Die Weiterbildung zum Pflegesachverständigen kann sich lohnen!

Pflegegutachter ist ein Beruf mit guten Zukunftsaussichten. Unser Urteil: Wenn du dein Know-How aus dem Pflegealltag nutzen möchtest, um Pflegebedürftigen zum richtigen Pflegegrad zu verhelfen oder deine Expertise nutzen möchtest, um zur Qualitätssicherung in der Pflege beizutragen, kann eine Weiterbildung zum Pflegegutachter deiner Karriere in der Pflege gehörig auf die Sprünge helfen.