Ein Team von Pflegern und Ärzten heben die Hände um einzuklatschen

Verfasst von Sarah Derkaoui. 

Magnetkrankenhaus: Paradies für Patienten & Pflegekräfte?

Was ist ein Magnetkrankenhaus?

Ein Magnetkrankenhaus (‘Magnet Hospital’) zieht Pflegekräfte und Patienten magisch an. So lautet zumindest das hochgesteckte Ziel. Kurz gesagt, geht es darum, die Qualität der Pflege zu verbessern. Und zwar nicht auf Kosten der Pflegenden. Ganz im Gegenteil: Mehr Selbstbestimmung, mehr Motivation und mehr Zufriedenheit am Arbeitsplatz lauten die Schlagworte. Klingt interessant? Wir haben alle Fakten!

Was ist ein Magnetkrankenhaus?

Das Konzept der Magnetkrankenhäuser kommt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten und wurde Ende der 1990er Jahre das erste Mal in Seattle eingesetzt. 

Und wenn du bei dem Begriff im ersten Moment an magnetische Anziehungskraft denkst, liegst du völlig richtig. Wer in einem Magnetkrankenhaus arbeitet, fühlt sich wertgeschätzt, darf vieles selbst bestimmen und ist zufriedener im Beruf – wenn das Konzept richtig umgesetzt wird. 

Klar, dass das magnetisch wirkt. Du kennst das sicher aus deinem Berufsalltag: Stimmen die Arbeitsbedingungen, sind auch Arbeitsklima und Patientenversorgung besser. Um das sicherzustellen, wurde der Ansatz der Magnet Hospitals entwickelt.

Magnetkrankenhaus: Eine Definition

Ein Krankenhaus kann dann Magnet-Status erlangen, wenn es nachweisen kann, dass es bestimmte Kriterien erfüllt. Dabei geht es erstens um exzellente Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte und zweitens um eine besonders hohe Pflegequalität. Untenstehend haben wir zusammengefasst, worauf es dabei ankommt.

Das sind die 5 Modell-Komponenten des Magnet Hospital Konzepts

Um was geht es eigentlich genau? Das Magnet-Modell besteht aus 5 Teilen. Jeder einzelne Teil stellt einen wichtigen Beitrag für die Anziehungskraft des Ansatzes dar. Ein Krankenhaus, das alle Aspekte umsetzt, kann somit effektiv und nachhaltig die Pflegequalität steigern – so der Plan.
 

1. Strukturelles Empowerment


Es gibt sie leider immer noch viel zu häufig und wahrscheinlich kennst du sie nur zu gut: Diese Vorgesetzten, die ihre höhere Position gerne und oft heraushängen lassen. Wie wäre es stattdessen mit flachen Hierarchien, respektvoller Kommunikation und einer Begegnung auf Augenhöhe? Daran, und an der Förderung der Entscheidungskompetenz von Pflegepersonal, ist Magnetkrankenhäusern gelegen.

2. Exemplarische professionelle Praxis


Hiermit sind selbstständiges und eigenverantwortliches Handeln angesprochen. Arbeitest du in einem Magnetkrankenhaus, bist du für einen bestimmten Verantwortungsbereich zuständig und kennst deine Aufgaben. Auch die Motivation zur Weiterbildung gehört zu diesem Punkt.

3. Transformationale Führung


Magnet Hospitals setzen auf einen Führungsstil, der motivierend, wertschätzend und unterstützend ist. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist aber möglich, wenn nicht die Kontrolle im Mittelpunkt steht, sondern stattdessen Wert auf Eigeninitiative gelegt wird und Führungskräfte echte Vorbilder sind.

4. Empirische Outcomes


Wie wirkt sich das Magnetkrankenhaus Konzept auf die Pflege-Qualität aus? Um diese Frage zu beantworten, sind handfeste Daten nötig. Deshalb sind das Sammeln und Auswerten empirischer Daten so wichtig für die erfolgreiche Umsetzung des Magnet Hospital Ansatzes. So wird ein Vergleich mit anderen Krankenhäusern möglich und die Verbesserungen in der Pflege werden auch intern sichtbar.

5. Innovationen, neues Wissen und Verbesserungen


Als Pflegekraft arbeitest du im Bereich der Medizin und Gesundheit – und leistest damit einen besonders wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft. Neue Entwicklungen und innovative Erkenntnisse können direkte Auswirkung auf deinen Beruf und Arbeitsalltag haben. In Magnet Hospitals wird aus diesem Grund Wert darauf gelegt, die professionelle Weiterbildung von Pflegekräften zu fördern.

Welche Rolle spielen die 14 Magnet-Stärken für den Magnetkrankenhaus Ansatz?

Springen wir dazu kurz zurück in die Zeit, bevor es Magnetkrankenhäuser überhaupt gab. Denn wie so oft, gilt hier die Regel: Erst Theorie, dann Praxis.

In den 1980er Jahren haben Wissenschaftler sich in einer Studie mit der Frage beschäftigt, wie ein Krankenhaus aussehen könnte, das anziehend auf Patienten und Pflegepersonal wirkt. Ihre Ergebnisse lassen sich in 14 Punkten zusammenfassen.

Als sogenannte Magnet-Stärken wurden diese Punkte zur Basis für die praktische Umsetzung des Magnet-Konzepts. Auch die Komponenten des Magnet-Modells wurden auf ihrer Grundlage entwickelt. 


Das sind die 14 Magnet-Stärken:

  1. Hohe Qualität der Pflegeführung
  2. Hohe Versorgungsqualität

  3. Kompetenzbasierte Autonomie

  4. Motivierender Management-Stil

  5. Möglichkeiten zur beruflichen Entwicklung

  6. Professionelle Betreuungsmodelle 

  7. Stetige Qualitätsverbesserung

  8. Wertschätzende Personalpolitik und -programme

  9. Transparente Organisationsstruktur

  10. Pflegende als Vorbilder, Mentoren und Lehrer

  11. Gegenseitiger Respekt und interdisziplinäre Beziehungen

  12. Bereitstellung von Ressourcen und Beratung 

  13. Etablierung von Community in der Gesundheitsorganisation

  14. Gutes Image der Pflege


Wie viele Magnetkrankenhäuser gibt es?

In weltweit etwa 540 Krankenhäusern wird das Magnet-Konzept bereits umgesetzt. Das belgische Antwerp Hospital ist das erste Krankenhaus in Europa, das Magnet-Status erlangt hat. 

In Deutschland sind aktuell eine Reihe von Krankenhäusern auf dem Weg, zum Magnet Hospital zu werden. Dazu gehören unter anderem das Universitäts- und Rehabilitationszentrum Ulm, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das Universitätsklinikum Münster und das Klinikum Osnabrück.

Welche Vorteile hat der Magnet-Ansatz für Pflegende?

Vielleicht geht es dir so, wie vielen Pflegenden. Eigentlich liebst du deinen Job und es erfüllt dich, für bedürftige Menschen da sein zu können. Aber die hohe körperliche und psychische Belastung, der oft fehlende Respekt und die teils suboptimalen Arbeitsbedingungen nagen einfach an dir.

Genau an diesen Punkten will das Magnet-Konzept ansetzen. Es geht um mehr Selbstbewusstsein, Freiraum und Respekt für Pflegende. Davon haben auch die Krankenhäuser was: Denn zufriedene Pflegekräfte sorgen für ein gutes Arbeitsumfeld und sind die Voraussetzung für eine ideale Patientenversorgung.

In einem Magnet-Krankenhaus…

  • kommunizierst du mit Führungskräften auf Augenhöhe

  • bekommst du die Möglichkeit, dich beruflich weiterzubilden und eigene Projekte durchzuführen

  • darfst du neue Ideen ohne Angst einbringen

  • handelst du in hohem Maße eigenverantwortlich 

  • bist du in einem selbstorganisierten Pflege-Team integriert, das eigeninitiativ handelt

  • sind Kreativität und Offenheit gern gesehene Eigenschaften


Du siehst: Im Mittelpunkt steht das Schaffen einer positiven Atmosphäre für Pflegende und Patienten. Kein Wunder, dass Studien den Magnet-Ansatz mit einem geringeren Burnout-Risiko, besserer mentaler Gesundheit, und einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit für einen Arbeitsplatzwechsel in Verbindung bringen.

Was bringen Magnetkrankenhäuser Patientinnen und Patienten?

Das erklärte Ziel eines Magnetkrankenhauses ist die Zufriedenheit von Pflegekräften. Logisch, denn: Wenn du deine Arbeit gern machst, ausgeglichen bist und dich wertgeschätzt fühlst, wirkt das motivierend und spornt an, vollen Einsatz zu geben.

So erklärt sich auch, warum Magnet Hospitals sich insbesondere durch eine hohe Versorgungsqualität auszeichnen. Das lässt sich auf folgende Punkte zurückführen:

  • Offenheit für innovative Konzepte, Technologien und Arbeitsweisen treibt Fortschritt voran

  • Motivierendes Arbeitsumfeld sorgt für exzellente Pflegequalität

  • Hochqualifizierte Pflegekräfte in interdisziplinären Teams sind für die Patientenversorgung zuständig

  • Kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung sorgen für Zufriedenheit von Patienten und Pflegenden


Fazit: Das Konzept “Magnetkrankenhaus” stellt Mitarbeiterzufriedenheit in den Mittelpunkt

Das Magnet-Konzept ist außerhalb Europas schon seit vier Jahrzehnten etabliert. Daraus lassen sich viele Rückschlüsse auf die Wirksamkeit des Ansatzes ziehen. Aber auch ohne empirische Daten erschließen sich die Vorteile von Magnet Hospitals sofort: Wer sich in seiner täglichen Arbeit wertgeschätzt und fair behandelt fühlt, ist insgesamt motivierter, volle Leistung zu bringen.

In Europa findet übrigens aktuell die Magnet4Europe-Studie statt, die das Ziel hat, das Konzept im europäischen Umfeld zu untersuchen. Mehr als 60 europäische Kliniken nehmen daran teil. Du darfst also hoffen – vielleicht eröffnen sich schon bald auch für dich tolle Möglichkeiten, sich der magischen Anziehungskraft des Magnet-Konzepts hinzugeben ;)

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