Burnout bei Pflegekräften

Verfasst von Darja Maibach. Veröffentlicht am 16.11.2020.

Burnout in der Pflege

Symptome erkennen und dem Burnout vorbeugen

In der heutigen Arbeitswelt steigen die Anforderungen immer weiter an. Eine Überlastung wird von Arbeitnehmern meist nicht angesprochen aus Angst um die Reputation oder den Arbeitsplatz. Oftmals sind es die besonders leistungswilligen Personen, welche überfordert werden, da sie aus einem großen Verantwortungsbewusstsein heraus dazu neigen, eine Überforderung nicht einzugestehen. 
Daher steigt die Mitarbeiteranzahl mit Burnout-Symptomen. In Deutschland befindet sich jeder Vierte in einer beruflichen Situation, die ein Burnout begünstigt. Jeder Zehnte leidet bereits an Ängsten, Depressionen oder Burnout.

 

Risikogruppe Pflegekräfte?

Das Burnout-Risiko unterscheidet sich je nach Berufsgruppe. Besonders gefährdet sind Pflegekräfte, Sozialarbeiter und Ärzte, da ihre Tätigkeiten mit zwischenmenschlichen Extremsituationen verbunden sind.
Die AOK untersuchte im Jahr 2018 Berufsgruppen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund von Burnout-Erkrankungen. Die Berufe in Altenpflege, Familienpflege, Heilerziehungspflege, Gesundheits- und Krankenpflege, Fachkrankenpflege wiesen alle jeweils 225 bis 267,5 Fehltage je Tausend Befragte auf, womit alle unter den neun anfälligsten Gruppen sind. Der Durchschnittswert liegt etwa 2,5 Mal niedriger. Die Diagnosehäufigkeit von Burnout hat sich in diesen Berufsgruppen zwischen 2005 und 2018 vervierfacht.
 

Burnout in der Gesundheits- und Krankenpflege

Für einen großen Anteil der Mitarbeiter in Berufen der Pflege bringt der Alltag psychische und physische Belastungen mit sich. Dies kann beispielsweise auf Personalmangel, Überstunden, schlechte Bezahlung, wenig Prestige oder berufsfremde Tätigkeiten zurückgeführt werden. Das kann zunächst zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führen und schließlich zum Burnout. Dieser geht im Beruf mit langen Krankheitsphasen und Arbeitsunfähigkeit einher. 

Durch einen helfenden oder pflegenden Beruf setzen sich die Mitarbeiter einen großen Teil ihres Lebens mit den Leben und den Schicksalen anderer Menschen auseinander. Solche Erfahrungen mit anderen Lebenswelten lässt kaum jemanden unberührt. Zudem ist die Pflege geprägt durch die zunehmende Ökonomisierung, wie der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung und den dadurch verkürzten Aufenthalten der Patienten in Krankenhäusern, sowie den Folgen des demografischen Wandels.
Es gibt immer mehr ältere und pflegebedürftige Menschen, was auch den Bedarf an Pflegekräften steigen lässt. Jedoch werden auf dem Arbeitsmarkt jüngere Personen nicht mehr so stark vertreten sein, sodass der Anteil an älteren Pflegekräften steigen wird. Daher müssen die Pflegekräfte in ihren Berufen unterstützt und deren Verbleib und damit ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit gefördert werden. Daher sollten auch die Anzeichen gekannt und möglichst früh erkannt werden.

Burnout Symptome und Verlauf

Burnout ist meist ein schleichender Prozess und mit etwa 130 möglichen Symptomen nicht immer eindeutig erkennbar. Die Anzeichen teilen sich in drei Hauptgruppen ein:
Körperliche Symptome wie Infektionen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Schlafstörungen, Verdauungsstörungen usw. sein
Emotionale Symptome wie Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit, Reizbarkeit und Nervosität
Geistige Symptome wie eine negative Einstellung zu sich selbst, zum Leben und zur Arbeit
Zu Beginn zeigen Betroffene meist ein hohes Engagement im Beruf, sie fühlen sich unentbehrlich und vergessen eigene Bedürfnisse. Gleichzeitig sind sie müde und erschöpft und haben das Gefühl nie Zeit zu haben, sodass sie sich kaum von der beruflichen Belastung erholen können.
Nach dieser Phase wandelt sich das hohe Engagement in einen sich ausbreitenden Zustand der Erschöpfung. Hier treten nun verminderte Belastbarkeit, wachsende Stimmungslabilität und Erholungsunfähigkeit auf. Die Müdigkeit wird chronisch und es entstehen innere Unruhe, Nervosität, Gereiztheit oder sogar Aggression.
In der letzten Phase resignieren die Betroffenen, es tritt Entmutigung, verringerte Frustrationstoleranz, Entscheidungsschwäche, Konzentrationsstörungen, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Minderwertigkeitsgefühle auf. 
 

Was kann jeder Einzelne tun?

Um einem solchen Verlauf vorzubeugen, sollten erste Anzeichen möglichst früh erkannt und die Belastungsfaktoren abgestellt werden. Jeder Einzelne kann dazu vorausschauende Maßnahmen treffen und für sich klären, wodurch eine Belastung entsteht. Die Mitarbeiter sollten sich fragen, welche Bedürfnisse vernachlässigt werden und welche Vorstellungen die Belastung erhöhen. Eventuell kann es nötig sein, überhöhte Ansprüche an sich und die beruflichen Erfolge zu reduzieren. Wichtig ist daher auch die richtige Einteilung des persönlichen Einsatzes, sodass die Kräfte auch langfristig erhalten bleiben. Hobbies, Familie und Freunde sollten neben dem Beruf weiterhin Bestand haben.

Da der Prozess nur langsam vorangeht, werden die einzelnen Phasen meist nicht ernst genommen und von den Betroffenen ignoriert. Jedoch sollten die Vorboten des Burnouts, das heißt alle Störungen, ob emotionaler, physischer oder sozialer Natur frühzeitig ernst genommen, analysiert und die Belastungen reduziert werden.

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