Verfasst von Sarah Derkaoui. Veröffentlicht am 21.10.2021.
Wir fassen die wichtigsten Gründe und Forderungen zusammen
“Was wird der Berliner Pflegestreik in meinem Arbeitsalltag ändern?” – eine (berechtigte!) Frage, die sich wohl viele Pflegekräfte wie du gerade stellen. Vor allem dann, wenn du zu den Pflegenden gehörst, die sich bisweilen in der Nachtschicht alleine um 25 Menschen sorgen müssen. Oder wenn du ständig das Gefühl hast, dich nicht adäquat um deine Patienten kümmern zu können, weil schlicht die Zeit fehlt. Oder wenn du einfach überlastet bist. Was der Pflegekräfte Streik 2021 für dich bedeutet, liest du in diesem Artikel.
Um zu verstehen, welche Auswirkungen der Verdi Streik für deinen Berufsalltag als Pflegekraft haben könnte, rekapitulieren wir kurz, worum es genau geht.
Der Streik des Pflegepersonals der Charité, sowie der Vivantes Kliniken und den Vivantes Tochterunternehmen begann am 9. September. Eine Schlüsselrolle spielt die Gewerkschaft Verdi, die die Interessen ihrer Mitglieder vertritt und versucht, die Forderungen der Pflegekräfte gegenüber den Kliniken durchzusetzen.
In der Pflege steht vieles im Argen. Doch es lassen sich drei Haupt-Aspekte identifizieren, die bei Pflegekräften für Frustration sorgen.
Wenn du an den Vivantes Kliniken in Spandau, Neukölln oder Friedrichshain als Pflegefachkraft beschäftigt bist, oder die Charité dein Arbeitgeber ist, haben die Streikergebnisse natürlich direkte Auswirkungen auf deine Tätigkeit. Wir finden allerdings, der Pflegestreik ist auch ein wichtiges Signal für die Veränderungen, die hoffentlich bald deutschlandweit für Pflegekräfte umgesetzt werden.
Worauf haben sich Verdi und die Kliniken nun konkret geeinigt? Vor allem geht es um folgende Punkte.
Während Beschäftigte der Vivantes Kliniken und der Charité sich zumindest über diesen ersten Erfolg freuen dürfen, protestieren die Mitarbeiter der Vivantes-Tochterfirmen noch immer gegen die geringe Bezahlung. Grund für die Lohnunterschiede zwischen den Tochtergesellschaften und dem Personal der Vivantes Kliniken ist die im Jahr 2014 erfolgte Ausgliederung ersterer aus dem Tarifbereich.
Die Folge: Die mehr als 1200 Beschäftigten erhalten etwa 800 Euro weniger Lohn als ihre Kollegen im Mutterkonzern. Und das bei identischer Stundenanzahl und geleisteter Arbeit.
Mitarbeiter der Vivantes-Tochtergesellschaften fordern eine faire Bezahlung nach dem vollen Tarifgehalt des öffentlichen Dienstes (TVöD). Um das durchzusetzen, protestierten sie am 19. Oktober vor der SPD-Landesparteizentrale in Berlin Wedding. Ob und wie eine Einigung erzielt werden kann, ist allerdings noch offen.
Für dich und viele Pflegefachkräfte ist der Erfolg der Kollegen im Berliner Pflegestreik wahrscheinlich ein kleiner Hoffnungsschimmer. Schließlich zeigen die erzielten Einigungen, dass es sich lohnt, für fairere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Das macht Mut.
Aktuell beginnt in Brandenburg ein weiterer Streik. 1300 Beschäftigte der Asklepios-Kliniken fordern eine Anpassung ihres Lohns an das auch in Berlin übliche Tarifgehalt des öffentlichen Dienstes. Noch bis 27. Oktober wollen die Streikenden ihre Arbeit niederlegen.
Doch nicht nur für Pflegefachpersonal ist der Streikverlauf in Berlin interessant. Gute Pflege geht schließlich uns alle etwas an. Nicht überraschend also, dass der Pflegestreik auch Rückhalt aus der Berliner Bevölkerung bekam. Mitte September demonstrierten mehr als 700 Menschen für fairere Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte und andere gesellschaftlich relevante Themen.
Egal, in welchem Bundesland und bei welchem Träger du aktuell beschäftigt bist – wahrscheinlich sind auch dir in deinem Berufsleben schon Missstände in der Pflege begegnet. Vielleicht gehörst du aber auch zu den (wenigen) Glücklichen, deren Arbeitgeber bereits Entlastungstarifverträge eingeführt haben.
Für etwa 20 deutsche Kliniken sind Personaluntergrenzen gängige Praxis. Es besteht Hoffnung, dass der Pflegestreik und dessen Ergebnisse für ein Umdenken in der Pflege sorgen.
Fazit: Obwohl eine Mindestvorgabe für den Pflegepersonalbedarf noch immer weit von einer optimalen pflegerischen Patientenversorgung und spürbarer Entlastung im Arbeitsalltag entfernt ist, sind die Festlegung von Mindestvorgaben und der Belastungsausgleich definitiv erste Schritte in die richtige Richtung – und geben Hoffnung auf mehr.