Jemand läuft auf einer Pfeilmarkierung auf der Straße

Verfasst von Sarah Derkaoui. Veröffentlicht am 18.11.2021.

Quereinstieg in die Pflege – so klappt es auch ohne Ausbildung!

Welche Möglichkeiten gibt es für den Quereinstieg?

Falls du dich gerade mit dem Thema Quereinstieg in die Pflege befasst, hast du ein gutes Timing erwischt. Denn der demografische Wandel in Verbindung mit dem Fachkräftemangel in der Pflegebranche bedeutet vor allem eines: Der Bedarf an Pflegekräften ist aktuell so hoch, wie nie – Tendenz steigend.

Auch ohne Ausbildung gibt es viele Möglichkeiten für Quereinsteiger, sich in der Pflege beruflich neu zu orientieren. Welche Voraussetzungen in den einzelnen Pflegebereichen für Quereinsteiger bestehen, was es für Verdienstmöglichkeiten gibt und wie typische Aufgaben im Berufsalltag aussehen können, haben wir hier für dich zusammengefasst.

Das sind die Voraussetzungen für den Quereinstieg in die Pflege!

Zuerst die gute Nachricht: Für die meisten Hilfstätigkeiten in der Pflegebranche benötigst du keine klassische Ausbildung. Stattdessen genügt oft eine Basisqualifikation, die in der Regel nur etwa 200 Stunden umfasst und daher relativ schnell abgeschlossen werden kann.

Doch bevor wir genau auf die formalen Voraussetzungen für einzelne Tätigkeitsfelder eingehen, müssen wir über deine körperliche und psychische Belastbarkeit sprechen. Für den Berufsalltag im Pflegeberuf ist dieser Aspekt mindestens genauso wichtig, wie die erworbenen Qualifikationen.

Eine Tätigkeit in der Pflege...

  • erfordert viel Empathie und Einfühlungsvermögen
  • bedeutet, dass du mit Schicksalen, Erkrankungen und evtl. Todesfällen konfrontiert wirst
  • verlangt häufig körperlichen Einsatz von dir (z.B. beim Umbetten von Patienten)
  • ist häufig im Schichtsystem organisiert, was Flexibilität bei dir voraussetzt
  • basiert auf Kommunikation, schnellem, situationsgerechten Handeln und Kritikfähigkeit

Die wichtigste persönliche Grundvoraussetzung für eine Tätigkeit in der Pflege haben wir uns für den Schluss aufgehoben – der Wille und die Bereitschaft, bedürftigen Menschen zu helfen und zur Seite zu stehen.

Welche Berufe kommen für Quereinsteiger in die Pflege infrage?

Nun also ganz konkret: Welche Tätigkeiten in der Pflegebranche eignen sich besonders gut für Quereinsteiger und sind auch ohne Ausbildung möglich? 

Pflegehilfskraft – der unkomplizierte Quereinstieg in die Pflege

Vor allem in der ambulanten, sowie der stationären Alten- und Krankenpflege verbreitet, unterstützen Pflegehilfskräfte ausgebildete Pflegefachkräfte bei ihrer Arbeit. Weil dafür weder eine medizinische, noch eine pflegefachliche Ausbildung nötig ist, eignet sich die Tätigkeit besonders gut für Quereinsteiger. Du musst lediglich einen 200 Stunden umfassenden Basiskurs absolvieren. 

Typische Aufgaben im Berufsalltag sind etwa Hilfestellungen bei der Einnahme von Mahlzeiten, der Körperpflege und die Begleitung der Patienten im Alltag. Achtung: Das Setzen von Injektionen oder die Gabe von Medikamenten darf nur voll ausgebildetes Pflegepersonal übernehmen!

Zusätzliche Betreuungskraft – schneller Einstieg in die Pflege für Ungelernte

Möchtest du dich gerne um demenzkranke Menschen kümmern, sie durch den Alltag begleiten und mit ihnen Beschäftigungen wie Malen, Vorlesen und Gartenarbeiten durchführen? Als Alltagshelfer oder Betreuungsassistent stehen z.B. in der Altenpflege statt pflegefachlichen Aufgaben hauptsächlich Zuwendung und die Beschäftigung mit den Senioren im Mittelpunkt. Für die Qualifikation genügt eine ca. 5-tätige Hospitation in einer Pflegeeinrichtung, das Absolvieren eines 160 Stunden umfassenden Kurses, sowie ein zweiwöchiges Praktikum. Tipp: Falls du aktuell erwerbslos bist, erkundige dich dazu unbedingt nach Fördermöglichkeiten durch die Arbeitsagentur!

Krankenpflegeassistent – die Ausbildung dauert nur ein Jahr

Wenn du bereit bist, ein Jahr in die Ausbildung zu investieren, ist das Berufsbild des Krankenpflegeassistenten vielleicht etwas für dich. Deine Hauptaufgabe ist dabei die Unterstützung von Kranken- und Gesundheitspflegern bei der Pflege der Patienten. 

Im Berufsalltag gehören z.B. die Dokumentation medizinischer Messwerte, die Unterstützung von Patienten bei der Körperpflege und die Kontrolle ihrer Körperfunktionen zu deinen Tätigkeiten. Krankenpflegeassistenten werden sowohl in Altenheimen, als auch in Wohnheimen, Krankenhäusern und der ambulanten Pflege eingesetzt – und dringend gebraucht. 

Heilerziehungshelfer – ein gefragter Beruf mit Zukunft

Als Heilerziehungshelfer pflegst du Menschen mit Behinderungen. Da es sich um eine Hilfstätigkeit handelt, darfst du (wie eine Pflegehilfskraft) allerdings nur bestimmte Tätigkeiten ausführen. Im Berufsalltag unterstützt du ausgebildete Heilerziehungspfleger bei ihrer Arbeit. Auch die Einstiegsvoraussetzungen sind dieselben, wie bei der Pflegehilfskraft: Das Absolvieren des Pflegebasiskurses genügt. 

Wo willst du deinen Quereinstieg wagen?

Was verdient man als Quereinsteiger in der Pflege?

Wie viel verdient man in der Pflege ohne Ausbildung? Wenn du dich intensiv mit dem Thema Quereinstieg in den Pflegeberuf beschäftigst, ist das eine Frage, die deine Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Tätigkeit sicher stark beeinflussen kann. Für eine überlegte berufliche Umorientierung ist der Aspekt des Verdiensts besonders wichtig. Wie sieht es also mit dem Gehalt in der Pflege aus?

Um das herauszufinden, bietet der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit einen guten Überblick.

  • Pflegehilfskräfte verdienen in der stationären Krankenpflege durchschnittlich 2.755 Euro brutto, in der Altenpflege im Schnitt mit 2.241 Euro etwas weniger.
  • Das monatliche Bruttodurchschnittsgehalt von Betreuungskräften bzw. Alltagsbegleitern liegt bei 2.659 Euro.
  • Für Pflegeassistenten in der Gesundheits- und Krankenpflege bewegt sich der Monatslohn zwischen 2.204 Euro und 3.314 Euro.
  • Heilerziehungshelfer werden im Durchschnitt mit 2.781 Euro brutto pro Monat entlohnt.

Wichtig zu wissen: Diese Zahlen sind als grobe Anhaltspunkte zu verstehen. Denn schließlich handelt es sich bei den Zahlen um Mittelwerte. Es lohnt sich im wahrsten Sinne des Wortes, die Jobangebote verschiedener Anbieter zu vergleichen.

Weil gerade in der Pflege viele Anbieter nicht nach Tarif zahlen, ergeben sich große Unterschiede unter den einzelnen Trägern. Tipp: Achte bei der Entscheidung für deinen neuen Arbeitgeber in der Pflege auch darauf, ob Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit, ein 13. Monatsgehalt, Sonderurlaub ab einer bestimmten Altersgrenze, sowie Zuschläge für Kinder zur Unternehmenspolitik gehören. 

Dein Gehalt als Quereinsteiger*in

Je nach Beruf und Arbeitgeber

Das Gehalt liegt zwischen

2.204 € und 3.314 € pro Monat

Diese sozialen Berufe eignen sich noch für Quereinsteiger

Neben Berufen, in denen pflegerische Tätigkeiten im Vordergrund stehen, gibt es eine Reihe weiterer sozialer Berufe, die sich für einen unkomplizierten Quereinstieg eignen. 

Gesetzlicher Betreuer

Wie die Berufsbezeichnung bereits vermuten lässt, stehst du als Gesetzlicher Betreuer an der Seite betreuungsbedürftiger Menschen und unterstützt sie dabei, ihre Angelegenheiten zu regeln. Es versteht sich von selbst, dass gute Verfahrens- und Rechtskenntnisse für die Berufsausübung notwendig sind – auch, wenn für diese Tätigkeit keine formale Ausbildung nachgewiesen werden muss. 

Wenn du bereits beruflich im juristischen Bereich unterwegs warst und lieber einen sozialen Beruf ergreifen möchtest, solltest du dir diese Möglichkeit genauer ansehen.

Stationshilfe

In manchen Bundesländern auch Patientenbegleiter genannt, wird dieser Beruf generell den Helfertätigkeiten zugeordnet. Für den Arbeitsalltag heißt das: Deine Aufgaben sind eher nicht pflegefachlicher Natur. Typischerweise kümmerst du dich um Dinge wie die Essensausgabe, den Bettentransport, sowie das Einsammeln und Austeilen von Wäsche.

Berufserfahrung oder eine Ausbildung wird für die Tätigkeit als Stationshilfe in der Regel nicht verlangt.

Tagespflege

Weder im Krankenhaus, noch im Altenheim, sondern in deinen eigenen vier Wänden kannst du als Tagespflegeperson tätig werden. Anders als bei den bereits vorgestellten Berufsbildern handelt es sich hierbei allerdings um eine selbstständige Tätigkeit. Wenn du gerne mit Kindern arbeiten möchtest und die nötige Geduld mitbringst, kannst du dich mit dem Besuch eines Tagespflegekurs (ca. 160 Stunden) für die Ausübung dieser Tätigkeit qualifizieren lassen. 

Fazit: Für den unkomplizierten Quereinstieg in die Pflege gibt es viele Möglichkeiten!

Die Pflege ist eine Branche mit Zukunft. Tendenziell werden wir Menschen immer älter, auch medizinische Fortschritte sorgen für eine gesteigerte Lebenserwartung. Eine erfreuliche Nachricht, doch: laut dem Statistischen Bundesamt sind etwa 3,5 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Schätzungen gehen davon aus, dass diese Zahlen in den nächsten Jahren noch deutlich steigen. 

Nimmt man zusätzlich noch den Fachkräftemangel und die niedrigschwelligen Einstiegsvoraussetzungen für bestimmte pflegerische Tätigkeiten in den Blick, ist schnell erklärt, warum es sich gerade jetzt lohnt, den Quereinstieg in die Pflege zu wagen.