Weiterbildung zur neurologischen Fachkraft

Verfasst von Laura Hörner|Veröffentlicht am 07.04.2021

Neurologie: Die Weiterbildung zum Pflegeexperten

Diese Inhalte erwarten dich in der Weiterbildung

Die Pflege ist genauso vielfältig wie es der menschliche Körper und seine Erkrankungen sind. Aus diesem Grund brauchen wir im Pflegebereich gut ausgebildete Experten, die sich auf die Behandlung ganz bestimmter Krankheitsbilder spezialisiert haben. Möglich ist das zum Beispiel mit einer Weiterbildung im Bereich Neurologie. Durch das Aneignen von spezifischem Wissen zu neurologischen Themen kannst du die Patienten in ihrer Genesung oder im Akutfall besser unterstützen und gleichzeitig mit einem höheren Gehalt rechnen. Was du in der Ausbildung lernst und welche Voraussetzungen du mitbringen solltest, erfährst du hier!


Neurologische Erkrankungen: Von Schlaganfall bis Parkinson

Der Begriff Neurologie stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet in etwa so viel wie „Die Lehre der Nerven“. Damit beschreibt er den Fachbereich im Grunde schon ganz gut. Denn hier geht es darum, die Erkrankungen des Nervensystems zu erforschen und natürlich auch zu heilen. Dazu gehört zum einen das Zentralnervensystem, das aus Gehirn und Rückenmark besteht, sowie das periphere Nervensystem (also alle Nerven, die sich nicht im Gehirn oder im Rückenmark befinden). 

Das Nervensystem hat zahlreiche Aufgaben. Zum Beispiel nehmen wir mit seiner Hilfe Reize aus der Umwelt wahr – etwa Berührungen, Temperaturen oder Gerüche. Es ist damit auch für unser Schmerzempfinden verantwortlich. Zu den wichtigsten Aufgaben zählt die Koordination all unserer lebenswichtigen Systeme im Körper: darunter sämtliche Organe, der Hormonhaushalt, die Atmung, der Blutkreislauf, die Muskulatur sowie der Stoffwechsel. 

Bei einem so wichtigen und komplexen System ist es nicht überraschend, dass einige gefährliche Krankheiten und Verletzungen existieren, die teilweise lebensgefährlich sein können und eine intensive Behandlung benötigen. Zu den häufigsten gehören Schlaganfälle, das Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutungen, Parkinson, Multiple Sklerose, Hirnhautentzündungen, Epilepsie, Migräne, Polyneuropathie oder Hirntumore.
 

Der Alltag einer Pflegekraft in der Neurologie

Als Pflegekraft in der Neurologie hast du es mit Menschen zu tun, die an besonders herausfordernden Krankheiten oder Verletzungen leiden und deshalb oft eine sehr zeitintensive Pflege benötigen. Viele der Patienten haben ein höheres Alter und leiden bei einigen Krankheitsbildern unter anderem an einer eingeschränkten Bewegungsfähigkeit, an Inkontinenz, an neurologisch bedingten Kommunikationsstörungen oder an psychischen Begleitkrankheiten. 

Je nachdem, welchen Schwerpunkt die Einrichtung hat, in der du arbeitest oder arbeiten möchtest, sieht dein Arbeitsalltag unterschiedlich aus. Arbeitest du zum Beispiel in der Stroke Unit eines Krankenhauses, dann wirst du dich vor allem mit Schlaganfallpatienten beschäftigen und diese sowohl akut behandeln und bei ihrer Rehabilitation begleiten. 
 

→ Eliah: Eine App, die Schlaganfallpatienten die Sprache wiederbringt


Als Pflegekraft in der Neurologie hast du eine sehr große Verantwortung. Denn viele Studien zeigen, dass die Sterblichkeitsrate und schwere Komplikationen deutlich ansteigen, wenn ein bestimmtes Maß an Pflege unterschritten wird. Die Qualität der Pflege in der Neurologie entscheidet also – wie auch in vielen anderen pflegeintensiven Bereichen – wortwörtlich über Leben und Tod. Eine besondere Herausforderung ist das vor allem im Hinblick auf den Fachkräftemangel, der auch vor diesem Fachbereich nicht Halt macht. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass du hier einen besonders großen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten hast. Du kannst sie in ihrem Heilungsprozess begleiten und ihnen helfen, ihre frühere Lebensqualität und ihre Fähigkeiten wieder zurückzuerlangen. Es handelt sich um einen Bereich, in dem du je nach Fall eine sehr starke Verbesserung des Zustands der Patienten beobachten kannst – an der du unmittelbar beteiligt bist.  
 

Diese Inhalte erwarten dich in der Weiterbildung

Die Weiterbildung im neurologischen Bereich umfasst wiederum einige Teilbereiche, weshalb es nicht „die eine“ Weiterbildung gibt, sondern unterschiedliche Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. Da gibt es zum Beispiel die Fachqualifikation Stroke Nurse oder die neurologische-neurochirurgische Frührehabilitation. Während du dich bei der ersten Weiterbildung vor allem auf Patienten mit Schlaganfall konzentrierst, steht bei letzterer die intensive Pflege von Patienten mit schweren neurologischen Krankheiten im Mittelpunkt – zum Beispiel nach einem Aufenthalt in der Intensivstation –, die noch nicht in der Lage sind, wichtige Alltagstätigkeiten allein durchzuführen. Suche am besten eine Weiterbildung aus, die zu deiner Einrichtung oder (wenn ein Wechsel für dich infrage kommt) zu deinen beruflichen Plänen passt. Mögliche Inhalte der Weiterbildung können je nach Schwerpunkt und Anbieter sein:

  • Die Anatomie des Gehirns und des Nervensystems
  • Das Kennenlernen neurologischer Krankheitsbilder
  • Therapieformen zur Behandlung verschiedener neurologischer Fälle
  • Die neurologische Pharmakologie
  • Zielsteuerung in der neurologischen Rehabilitation
  • Patientenmanagement
  • Überwachungsparameter und Scoring
  • Trachealkanülenmanagement
  • Integrative Validation
  • Wahrnehmungsfördernde Pflege
  • Basale Stimulation, Kinaesthetics, therapeutische Lagerung etc.
  • Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie
  • Ein Praxisteil, in dem erlernte Inhalte umgesetzt werden können


Die Weiterbildung besteht hauptsächlich aus einem theoretischen Teil mit zusätzlichem Selbststudium. Auch ein kurzer Praxisteil kann jedoch enthalten sein. Am Ende musst du in der Regel eine Prüfung absolvieren, eine Hausarbeit zu einem zuvor besprochenen Thema abgeben und in einem Kolloquium (also einer Art mündlicher Prüfung) dein erlerntes Wissen unter Beweis stellen. 

Die Kosten für die Weiterbildung belaufen sich je nach Anbieter auf etwa 800 – 2.000 €, einige Einrichtungen bieten für ihre eigenen Mitarbeiter jedoch kostenlose Möglichkeiten an, sich fortzubilden. Auch in ihrem zeitlichen Umfang unterscheiden sich die verschiedenen Angebote teilweise deutlich. Je mehr du in die Tiefe gehen möchtest, desto länger wird auch die Weiterbildung dauern. Hast du sie erfolgreich abgeschlossen, dann ist der Weg für dich natürlich noch lange nicht vorbei. Denn du hast anschließend zahlreiche Möglichkeiten, Fortbildungen zu besuchen und dich weiter mit speziellen Therapieformen oder Krankheitsbildern beschäftigen.
 

Ein guter erster Eindruck: Die Pflegekräfte des Kreiskrankenhauses Prignitz

Diese Voraussetzungen solltest du mitbringen

Um eine Weiterbildung in der neurologischen Pflege zu absolvieren, musst du bereits eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege, in der Altenpflege oder auch in der Kinderkrankenpflege abgeschlossen haben und über eine entsprechende Berufserlaubnis verfügen. Für die meisten Weiterbildungen wird außerdem Berufserfahrung von mindestens einem Jahr vorausgesetzt, in einigen Fällen ist die vorherige Mitarbeit in der Neurologie eine Voraussetzung. 

Auch finanziell kannst du übrigens von der Weiterbildung profitieren. Als Pflegekraft mit Zusatzqualifikation bist du immer gefragt und hast so in der Gehaltsverhandlung eine gute Ausgangsposition.

Eine Weiterbildung in der Neurologie ist eine hervorragende Möglichkeit, deine pflegerischen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vertiefen und so die Möglichkeit zu haben, Patienten mit neurologischen Krankheitsbildern noch kompetenter zu behandeln. Die Weiterbildung eignet sich vor allem für Pflegekräfte, die bereits erste Erfahrungen in der Neurologie gesammelt haben und sich deshalb sicher sind, dass sie auf lange Zeit in diesem Bereich arbeiten möchten. Auf dich wartet eine spannende Arbeit in einem Fachbereich, in dem du mit deinem neu erlangten Wissen wirklich einen Unterschied machen kannst!
 

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Laura Hörner
Kulturwirtschaft Uni Passau

Als freie Autorin schreibt Laura Hörner bei TalentRocket über Themen rund um die juristische Karriere. Besonders interessiert sie sich dabei für die vielfältigen Karrierewege, die Jurist:innen offenstehen.